Markte | Donnerstag, 8. November 2012, 19:38 Uhr

Aktienanleger haben den Konjunktur-Blues

Frankfurt Trübe Konjunkturaussichten und enttäuschte Hoffnungen auf eine baldige EZB-Zinssenkung sind den europäischen Aktienanlegern am Donnerstag auf die Stimmung geschlagen.

Vereinzelte positive Geschäftszahlen von Branchengrößen wie Siemens konnten den EuroStoxx50 knapp im Plus halten, nicht aber den Dax.

Nach ihrer Freude über die rasche und eindeutige Entscheidung der US-Präsidentschaftswahl seien die Investoren wieder zurück in der Realität, sagte Marktanalyst Roger Peeters vom Bankhaus Close Brothers Seydler. Daher rückten Risiko-Faktoren wie die europäische Schuldenkrise oder die sogenannte "Fiskalklippe" in den USA wieder in den Vordergrund.

Der Dax verabschiedete sich mit einem Minus von 0,4 Prozent bei 7204,96 Punkten in den Feierabend. Der EuroStoxx50 lag 0,2 Prozent im Plus von 2483,60 Zählern. An der Wall Street notierte der US-Standardwerteindex Dow Jones bei Börsenschluss in Deutschland 0,1 Prozent schwächer.

VORERST KEINE EZB-ZINSSENKUNG - USA STEHEN AN "FISKALKLIPPE"

Die Europäische Zentralbank (EZB) beließ den Leitzins bei 0,75 Prozent und ihr Chef Mario Draghi lieferte keine Hinweise auf eine Zinssenkung im Dezember. Wegen der Rezession in einigen Euro-Staaten - vor allen den hoch verschuldeten südeuropäischen - hatten einige Börsianer darauf gehofft. "Die Tür für mögliche geldpolitische Lockerungsmaßnahmen ist mit den heutigen Aussagen aber nicht verschlossen und Zinssenkungsspekulationen dürften wohl nicht ausgeräumt werden", betonte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg.

Commerzbank-Analystin Antje Praefcke betonte, dass die schwache Konjunktur die Sanierung der Haushalte in den Schuldenstaaten erschwere. In Griechenland passierte ein umstrittenes weiteres Sparpaket das Parlament nur knapp. Die nächste Hürde muss am Sonntag genommen werden, wenn der um das Paket ergänzte Haushalt zur Abstimmung steht. Weil die Mehrheit der Koalition nach Fraktionsausschlüssen und einem Austritt von Abweichlern weiter geschrumpft ist, gilt das Hindernis als besonders hoch. Vor diesem Hintergrund fiel der Athener Leitindex um 3,8 Prozent. Der griechische Bankenindex brach sogar um gut zwölf Prozent ein.

Auch die Haushaltslage der USA ist prekär. Zum Jahreswechsel laufen dort Steuererleichterungen aus und es stehen automatische Ausgabenkürzungen an, sofern sich Präsident und Kongress nicht auf einen neuen Etat einigen können. Nach Ansicht der Experten könnte die weltgrößte Volkswirtschaft über diese sogenannte "Fiskalklippe" in eine Rezession stürzen.

SIEMENS UND REPSOL TOP - COMMERZBANK UND POST FLOP

Das Dax-Schwergewicht Siemens war dank überraschend starker Geschäftszahlen Spitzenreiter im deutschen Leitindex. Die Aktie gewann 1,8 Prozent auf 80,27 Euro. Positiv überrascht hätten zudem die Großaufträge, vor allem bei margenstarken Gasturbinen, schrieb LBBW-Analyst Volker Stoll in einem Kommentar. "Das Kostensenkungsprogramm ist mit sechs Milliarden Euro erheblich umfangreicher als das vom Markt erwartete Volumen von drei Milliarden Euro."

Auf europäischer Ebene waren Repsol stark gefragt. Der spanische Ölkonzern hatte einen Quartalsgewinn über Markterwartungen vorgelegt. Die Papiere zogen an der Börse Madrid um 0,7 Prozent auf 15,12 Euro an.

Auf der Verkaufsliste der Investoren stand dagegen die Commerzbank mit einem Abschlag von 5,8 Prozent ganz oben. Sie reagierten damit auf einen geringer als erwartet ausgefallenen Quartalsgewinn. Für Enttäuschung sorgten auch die Investitionspläne: Insgesamt will die Bank zwei Milliarden Euro in das Kerngeschäft stecken. Das sei alles nicht sehr überraschend oder revolutionär, monierte ein Händler.

Enttäuscht reagieren Anleger auch auf die Zahlen der Deutschen Post, deren Papiere sich um drei Prozent auf 14,63 Euro verbilligten. Der operative Gewinn sei hinter den Erwartungen zurückgeblieben, schrieb Analyst Ekkehard Link von der National-Bank.

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