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Markte | Montag, 19. November 2012, 14:54 Uhr

Annäherung im US-Haushaltsstreit gibt Dax Auftrieb

Frankfurt Aktienanleger sind frohen Mutes in die neue Woche gestartet: Fortschritte bei den US-Haushaltsverhandlungen, die Hoffnung auf Erfolge beim griechischen Schuldenabbau und ein als attraktiv empfundenes Kursniveau machten den Investoren Mut.

Der Dax zog um 1,6 Prozent an auf 7063 Zähler. Ende vergangener Woche war der Leitindex unter die psychologisch wichtige Marke von 7000 Punkten gefallen und war damit binnen zehn Tagen um rund 500 Zähler abgerutscht.

Der EuroStoxx50 gewann 1,4 Prozent auf 2461 Punkte. Besonders stark fiel europaweit die Erholung bei den Bank-, Bau- und Technologiewerten aus; das waren jene Branchen, die zuletzt stärker als andere unter Druck geraten waren.

Im von Investoren mit Bangen begleiteten US-Haushaltsstreit haben sich die konkurrierenden Parteien zuletzt etwas angenähert. Die Republikaner hatten nach einem Treffen mit US-Präsident Barack Obama und dessen Demokraten ihre Bereitschaft zu Gesprächen über höhere Steuern signalisiert. Ohne Konsens im Haushaltsstreit drohen zum Jahreswechsel automatisch Ausgabensenkungen und Steuererhöhungen, die die weltgrößte Volkswirtschaft in die Rezession stürzen könnten.

"Jetzt gibt es ansatzweise die Hoffnung, dass die Amerikaner das doch hinbekommen, das hilft dem gesamten Markt", sagte Marktstratege Carsten Klude von MM Warburg. Konkrete Ergebnisse seien in den nächsten Tagen zwar nicht zu erwarten, auf ein komplettes Scheitern der Verhandlungen zu spekulieren, halte er allerdings auch für übertrieben.

ANLEGER HOFFEN AUF GRIECHENLAND-HILFEN

Neben den USA blieben auch die Verhandlungen rund um Griechenland im Fokus der Investoren. Am Dienstag treffen sich die Euro-Finanzminister zu einer Sondersitzung, um erneut über Wege aus dem Schuldendesaster zu beraten. Bislang liegen die Lösungsansätze der europäischen Gläubiger und des IWF allerdings weit auseinander. "Der politische Vorsatz, Griechenland 'komme was da wolle' im Boot zu halten, ist offensichtlich", so Klude. Investoren müssten sich auf weitere Belastungen einstellen. Für den Markt ist Händlern zufolge wichtig, dass sich die Euro-Staaten und der IWF einigen.

REGULIERUNGSDISKUSSION RÜCKT BANKWERTE IN DEN FOKUS

Zu den größten Gewinnern im Dax zählten die Verlierer der vergangenen Woche. Commerzbank und Deutsche Bank konnten ihre Freitagsverluste nahezu komplett wettmachen und notierten vier und 3,3 Prozent fester. Finanzwerte stehen derzeit auch deshalb besonders im Fokus der Investoren, weil deren Regulierung wieder heftig diskutiert wird. Während der Zeitplan für die Einführung der strengeren Eigenkapitalanforderungen nach Basel III in Europa noch wackelt, haben die USA das Vorhaben erst einmal verschoben.

SPEKULIEREN AUF ZERSCHLAGUNG VON HOCHTIEF

Im MDax schossen Hochtief um bis zu 5,8 Prozent auf 38,09 Euro in die Höhe. Der spanische Großaktionär ACS will bei Deutschlands größtem Baukonzern einen Führungswechsel durchsetzen. Hochtief-Chef Frank Stieler soll den Vorstand verlassen, falls der Aufsichtsrat zustimmt. Auf Stielers Posten soll der von ACS entsandte Manager Marcelino Fernandez Verdes rücken. "An der Börse wird jetzt darauf spekuliert, dass der Konzern zerschlagen wird", sagte ein Händler. "Dann könnte man darauf setzen, dass die einzelnen Teile mehr bringen als der Konzern gesamt und dass Aktionäre auf Sonderzahlungen hoffen können." ACS notierten im Madrider Leitindex 0,8 Prozent höher.

HOCHSTUFUNG HILFT SMA SOLAR

Im TecDax machten SMA Solar nach einer Hochstufung Boden gut. Die Aktien des Wechselrichter-Produzenten legten um 2,6 Prozent zu. Die Experten der Deutschen Bank setzten die Papiere hoch auf "Hold" von "Sell". Seit Mitte Oktober, als SMA für das kommende Jahr vor sinkenden Umsätzen gewarnt hatte, waren die Aktien um knapp 40 Prozent eingebrochen. Von der guten Stimmung der Anleger profitierten auch Solarworld, die in der Spitze um 8,35 Prozent auf 1,025 Euro anzogen.

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