Markte | Dienstag, 18. Dezember 2012, 14:17 Uhr

Aktienanleger setzen auf Einigung im US-Etatstreit

Frankfurt Die Jahresend-Rally an den europäischen Aktienmärkten geht weiter.

In der Hoffnung auf eine schnelle Einigung im US-Haushaltsstreit trieben Investoren Dax und EuroStoxx50 mit ihren Käufen auf neue Hochs.

"Die Chancen für einen baldigen Kompromiss scheinen gestiegen zu sein", sagte Marktanalyst Roger Peeters vom Bankhaus Close Brothers Seydler. "In den vergangenen Tagen waren die Märkte zunehmend davon ausgegangenen, dass die 'Fiskalklippe' nicht vor Weihnachten umfahren werden kann. Die neue Chance auf eine baldige Lösung gibt ihnen eine neue Perspektive und Rückenwind."

Der deutsche Leitindex kletterte auf bis zu 7656,81 Punkte und markierte damit den zweiten Tagen ein Fünf-Jahres-Hoch. Am frühen Nachmittag notierte er noch 0,4 Prozent fester bei 7640 Zählern. Der EuroStoxx50 lag mit 2637 Stellen weniger als zehn Punkte unter seinem 16-Monats-Hoch vom Vormittag.

Anleger stützten ihren Optimismus auf einen Kompromiss-Vorschlag des US-Präsidenten Barack Obama, dem zufolge die geplanten Steuererhöhungen für Großverdiener ab einem Jahreseinkommen von 400.000 statt 250.000 Dollar greifen sollen. Ein Sprecher des republikanischen Verhandlungsführers John Boehner bezeichnete den Kompromissvorschlag in einer ersten Reaktion als positiv.

Entspannung war auch am Terminmarkt zu spüren. Die Volatilitätsindizes VDax und VStoxx, die die Nervosität der Anleger messen, fielen um jeweils knapp Prozent. Mit 14,53 und 15,67 Punkten lagen sie dabei so niedrig wie seit knapp sechs Jahren nicht mehr. Die Futures auf die US-Indizes deuteten auf eine freundliche Eröffnung der Wall Street hin.

"Trotz der jüngsten Vorschläge ist es noch ein weiter Weg bis zu einer Einigung", warnten die Analysten der National-Bank in einem Marktkommentar. "Dass das noch in diesem Jahr erfolgen wird, wird trotz der Annäherungsversuche von Tag zu Tag unwahrscheinlicher."

Sollten sich Demokraten und Republikaner nicht einigen, drohen zum Jahreswechsel automatische Ausgabenkürzungen. Gemeinsam mit den dann auslaufenden Steuererleichterungen könnten sie die weltgrößte Volkswirtschaft Experten zufolge über die sogenannte "Fiskalklippe" in die Rezession stürzen.

VERKAUF VON BONUS-PROGRAMM MACHT AIR BERLIN BELIEBT

Zu den größten Gewinnern am deutschen Aktienmarkt zählten Air Berlin, deren Aktien sich um bis zu zehn Prozent auf 1,66 Euro verteuerten. Die Fluggesellschaft verkaufte ihr Vielflieger-Programm an Großaktionär Etihad, um damit Geld für die Sanierung zu erhalten. Der Verkaufspreis von 184 Millionen Euro liege am oberen Ende der Markterwartungen schrieb DZ Bank-Analyst Robert Czerwensky in einem Kommentar.

Außerdem waren Finanzwerte stark gefragt, die üblicherweise überdurchschnittlich auf Bewegungen des Gesamtmarktes reagieren. Der Branchenindex für die Banken der Euro-Zone legte 0,9 Prozent zu. Mit Kursgewinnen zwischen zwei und 3,2 Prozent tummelten sich vor allem italienische Institute wie Unicredit oder Banca Monte dei Paschi in der Spitzengruppe. Commerzbank gewannen drei Prozent und Deutsche Bank erholten sich nach den Verlusten der vergangenen Tage um 0,9 Prozent. Die österreichische Erste Bank stieg zeitweise sogar um 4,2 Prozent auf ein 16-Monats-Hoch von 24,20 Prozent.

Im Nebenwerte-Index MDax setzten sich Dürr mit einem Plus von 3,5 Prozent auf 68,25 Euro an die Spitze. Der Anlagenbauer will sein Geschäft mit Leittechnik-Software ausbauen. Wacker Chemie profitierten Börsianern zufolge von charttechnischen Kaufsignalen und gewannen drei Prozent auf 49,10 Euro.

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