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Ausland | Samstag, 19. Januar 2013, 16:33 Uhr

Sturm auf Geiselnehmer in Algerien - Lage blieb unklar

Algier/In Amenas Über die Lage im Geiseldrama in der algerischen Wüste hat es auch am Samstag widersprüchliche Informationen gegeben.

Ein Insider, der mit der Militäraktion vertraut war, sagte der Nachrichtenagentur Reuters: "Es ist vorbei, der Angriff ist beendet, und das Militär räumt auf dem Gelände jetzt die Minen." Die algerische Agentur APS hatte zuvor berichtet, die Soldaten hätten einen "letzten Angriff" gestartet. Frankreichs Präsident Francois Hollande erklärte kurze Zeit darauf, die Militäraktion laufe noch. Es seien Geiseln zu Tode gekommen. Das algerische Öl- und Gasunternehmen Sonatrach teilte indes mit, Soldaten seien bereits dabei, die von den Islamisten verlegten Sprengsätze auf dem Gelände zu entschärfen.

Auch die genaue Zahl der Geiseln und Opfer war noch immer unklar. Die Nachrichtenagentur APS hatte berichtete, bei der Erstürmung am Samstag seien elf Geiselnehmer ums Leben gekommen. Sieben ausländische Geiseln seien von den Islamisten getötet worden. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen kamen zwei deutsche Gefangene aus der Gewalt der Islamisten frei. Das Auswärtige Amt in Berlin konnte dies aber nicht bestätigen. Man habe weiter keine Erkenntnisse, dass Deutsche von der Geiselnahme betroffen seien, sagte ein Sprecher.

Zuvor hieß es in Algerien, Spezialkräfte hätten in der von Islamisten überfallenen Erdgasanlage 15 verkohlte Leichen gefunden. Man bemühe sich gegenwärtig um die Identifizierung der Toten. Wie die Menschen zu Tode gekommen sind, war zunächst unklar.

Was sich in dem Komplex im Laufe des Samstags abspielte, war zunächst nicht zu erfahren. Das Gelände war von Soldaten umstellt, und Hubschrauber überflogen das Gebiet. Die Sicherheitskräfte hatten um das gesamte Gelände im Abstand von etwa zehn Kilometern einen Absperrring gezogen. Krankenwagen standen bereit.

Berichten zufolge waren bei Befreiungsversuchen an den Vortagen zwischen zwölf und 30 Geiseln getötet worden - darunter wohl zahlreiche Ausländer. 100 Ausländer und 600 Algerier sollen aus der vom Militär umstellten Anlage befreit worden sein. Die Extremisten haben ein Ende der französischen Militärintervention gegen radikal-islamische Rebellen im benachbarten Mali gefordert. Die von ihnen besetzte Anlage wird vom britischen Energiekonzern BP, dem norwegischen Ölkonzern Statoil und dem algerischen Staatsunternehmen Sonatrach betriebenen.

- von Lamine Chikhi und Abdelaziz Boumzar

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