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Unternehmen | Mittwoch, 14. November 2012, 14:47 Uhr

BASF setzt auf Öl und Gas- Milliarden-Deal mit Gazprom

Frankfurt BASF sichert sich durch ein milliardenschweres Tauschgeschäft mit dem russischen Energieriesen Gazprom Zugriff auf riesige Öl- und Gasvorhaben in Sibirien.

Der weltgrößte Chemiekonzern erhält Anteile an zwei Förderquellen, die beide Konzerne gemeinsam ausbeuten werden. Die Russen, die seit Jahren stärker in Westeuropa Fuß fassen wollen, übernehmen im Gegenzug die volle Kontrolle über das bisher gemeinsam betriebene Erdgashandels- und Speichergeschäft. Das könnte politisch durchaus Brisanz bergen.

"Der Asset-Tausch steht in Einklang mit unserer Strategie, die Exploration und Produktion von Öl und Gas auszubauen - durch organisches Wachstum und gezielte Akquisitionen", sagte BASF-Chef Kurt Bock. Der Chemieriese hat kürzlich bereits mit dem norwegischen Energiekonzern Statoil vereinbart, gemeinsam Öl und Gas in der Nordsee zu fördern, und treibt die Expansion im Ausland damit weiter voran. Das Öl- und Gasgeschäft hat im dritten Quartal rund die Hälfte zum Betriebsgewinn von BASF beigesteuert und damit maßgeblich dazu beigetragen, dass der Ludwigshafener Konzern trotz des Abschwungs im klassischen Chemiegeschäft auf Kurs blieb.

Das Gashandelsgeschäft, das nun ganz an Gazprom abgegeben werden soll, bereitete BASF dagegen zuletzt wenig Freude. Die Nachfrage ist wegen des Konjunkturabschwungs in Europa mau, zudem drücken das steigende Angebot und der harte Wettbewerb auf die Gewinnmarge. Für den staatlich kontrollierten Gazprom-Konzern ist die Übernahme dagegen ein wichtiger Schritt, um die Expansion nach Westen voranzutreiben. Das Unternehmen sichert sich damit Absatzmärkte und kann Experten zufolge auch mit den vergleichweise niedrigen Gewinnmargen leben.

"Durch die Erhöhung des Anteils an den Erdgashandels- und Speichergesellschaften setzen wir unsere erfolgreichen Aktivitäten zur Sicherung der Gasversorgung in Europa fort", sagte Gazprom-Chef Alexej Miller. Dass das Geschäft Auswirkungen auf den Gaspreis in Deutschland hat, glauben Experten nicht, zumal es hierzulande zahlreiche Anbieter und transparente Börsenpreise gibt. Zudem arbeitet die EU-Kommission an Vorschriften, um das Geschäft stärker zu regulieren.

HÖHERE STEUERN LASSEN BASF KALT

Die Vereinbarung, die Bock und Miller am Mittwoch unterschrieben, sieht einen Tausch der wertgleichen Unternehmensteile vor - Geld fließt also nicht. Bis Ende 2013 soll das Geschäfts in trockenen Tüchern sein und dann rückwirkend um 1. April 2013 vollzogen werden.

Im Rahmen der Vereinbarung erhält die BASF-Tochter Wintershall einen Anteil von knapp über 25 Prozent an den Blöcken IV und V der Achimov-Formation des Urengoi-Feldes in Westsibirien und hat die Option, den Anteil an den beiden Lagerstätten auf 50 Prozent aufzustocken. Beide Blöcke verfügen laut russischem Entwicklungsplan über 2,4 Milliarden Barrel Öläquivalente (boe). Die Produktion soll 2016 beginnen.

Von einer Anhebung der Fördersteuer, die das russische Finanzministerium kürzlich angekündigt hat, lässt sich BASF dabei nicht abschrecken. "Das haben wir bei der Bewertung der Assets berücksichtigt", sagte eine Firmensprecherin. Den Plänen zufolge soll die Fördersteuer für Gazprom ab 2013 um 12,5 Prozent und für andere Produzenten um 15 Prozent steigen.

KONJUNKTUR-ABHÄNGIGKEIT SINKT

Im Gegenzug zu den Förderrechten gibt BASF seine Anteile am schwächelnden Erdgashandels- und Speichergeschäft an Gazprom ab, dazu zählen die Gesellschaften Wingas, WIEH, WIEE und Astora. Zudem erhält das russische Unternehmen 50 Prozent an der Tochter Wintershall Noordzee, die auf die Öl- und Gasförderung in der südlichen Nordsee spezialisiert ist. Im vergangenen Jahr trugen die abgehenden Aktivitäten 8,6 Milliarden Euro zum Umsatz und 350 Millionen Euro zum Betriebsgewinn (Ebit) von BASF bei.

Die Aufsichtsbehörden in Brüssel und Moskau müssen der milliardenschweren Transaktion, deren genaues Volumen die Unternehmen nicht bezifferten, noch zustimmen. Eine Sprecherin von EU-Energiekommissar Günther Oettinger machte deutlich, dass Gazprom als Betreiber des Speichergeschäfts auch Gas von anderen Anbietern aufnehmen müsste. Das Management des Speicherbetreibers müsse unabhängig von dem des Lieferanten sein, sagte sie. "Es könnte so gestaltet werden, dass eine Tochtergesellschaft das Speichergeschäft betreibt."

An den Börsen in Moskau und Frankfurt sorgte das Geschäft kaum für Bewegung. BASF-Aktien verloren wie der Gesamtmarkt 0,4 Prozent, Gazprom-Papiere notierten kaum verändert. Der Deal werde vermutlich keine Auswirkungen auf die aktuellen Ergebnisse haben, erklärte DZ-Bank-Analyst Peter Spengler. Künftig werde die Stärkung des Rohstoff-Fördergeschäfts jedoch die Abhängigkeit des Konzerns vom Konjunkturzyklus reduzieren.

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