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Markte | Mittwoch, 7. November 2012, 11:22 Uhr

Anleger erleichtert über schnelle US-Wahlentscheidung

Frankfurt Mit Erleichterung haben die internationalen Finanzmärkte am Mittwoch auf die rasche Entscheidung bei der US-Präsidentschaftswahl reagiert.

Amtsinhaber Barack Obama schlug nach einer anfänglichen Zitterpartie seinen republikanischen Herausforderer Mitt Romney überraschend deutlich.

Dax und EuroStoxx50 legten zur Eröffnung etwa ein knappes Prozent zu und markierten mit 7434,87 beziehungsweise 2558,71 Punkten jeweils ein Drei-Wochen-Hoch. Zuvor hatten die Börsen in Tokio und Shanghai ihre Anfangsverluste fast vollständig wettgemacht. Die Terminkontrakte auf die US-Indizes deuteten auf eine etwas festere Eröffnung der Wall Street hin. Der Dollar geriet dagegen wegen Spekulationen auf eine Fortsetzung der ultra-lockeren US-Geldpolitik unter Druck.

"Natürlich gab es die Furcht, dass es deutlich knapper ausfällt", sagte Ioan Smith, Anlage-Stratege bei Knight Capital. Investoren seien erleichtert, dass es eine Entscheidung gebe. Ein Pariser Aktienhändler betonte: "Der Wahlausgang macht die US-Politik berechenbarer, was gut für die Märkte ist." Die Erleichterung war auch an den Terminmärkten spürbar. Die Volatilitätsindizes VDax und VStoxx, die die Nervosität der Anleger messen, fielen um 3,3 beziehungsweise 6,1 Prozent.

USA STEUERN AUF "FISKALKLIPPE" ZU

"Allerdings kann von Euphorie keine Rede sein", warnte Helaba-Analyst Christian Schmidt. "Denn die Republikaner haben ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus behalten. Es muss damit gerechnet werden, dass der Kongress gespalten bleibt und die Blockaden der Vergangenheit auch in Zukunft zu erwarten sein werden." Seine Kollegen von der Societe General rechneten ebenfalls nicht mit einer schnellen Auflösung des Reformstaus. "An der Politik wird sich nicht viel ändern. Obama wird in seiner zweiten Amtszeit nur wenig Bewegungsspielraum haben."

Den USA droht im neuen Jahr ein Schuldendrama. Dann laufen Steuererleichterungen aus und stehen automatische Ausgabekürzungen an, sofern sich Präsident und Kongress nicht auf einen neuen Haushalt einigen. Nach Ansicht der Experten könnte die weltgrößte Volkswirtschaft über diese sogenannte "Fiskalklippe" in eine Rezession stürzen.

AUSSICHT AUF FORTSETZUNG VON QE3 DRÜCKT DOLLAR

Am Devisenmarkt verlor der Dollar-Index, der die Wechselkurse zu wichtigen anderen Währungen wie dem Euro spiegelt, 0,1 Prozent. Im Gegenzug verteuerte sich die europäische Gemeinschaftswährung auf 1,2831 Dollar nach 1,2811 Dollar zum New Yorker Vortagesschluss.

"Dies sieht nach einer klassischen Reaktion auf eine quantitative Lockerung der Geldpolitik aus", schrieben die Anlage-Strategen der Citigroup in einem Kommentar. "Vor der Wahl gab es die Sorge, dass ein Romney-Wahlsieg zu einer vorzeitigen Straffung der Geldpolitik führen wird." Der heutige Wahlausgang untermauere die Einschätzung, dass die US-Notenbank Fed ihre Anleihe-Käufe zur Ankurbelung der Konjunktur (QE3) bis auf weiteres fortsetzt. Der US-T-Bond-Future, der die Kurse des zehnjährigen US-Staatsanleihen spiegelt, legte 84 Ticks auf 149-4/32 Punkte zu. Die Hoffnung auf eine Belebung der Weltwirtschaft gab auch den Industriemetallen Auftrieb. Kupfer verteuerte sich um 0,4 Prozent auf 7731,75 Dollar je Tonne.

Aus Furcht vor einer anziehenden Inflation als Folge von QE3 nahmen einige Anleger Kurs auf den "sicheren Hafen" Gold. Das Edelmetall verteuerte sich um 0,6 Prozent auf 1725,40 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). "Der Goldpreis wird in diesem Jahr sicher noch auf 1800 Dollar steigen", sagte Yuichi Ikemizu, Finanzmarkt-Experte der Standard Bank in Tokio.

STARKE BILANZEN VON MÜNCHENER RÜCK UND BNP

Eine Reihe positiver Quartalsbilanzen trug am Mittwoch zur guten Stimmung an den Aktienmärkten bei. Im EuroStoxx50 lagen Münchener Rück und BNP Paribas mit Kursgewinnen von 2,7 beziehungsweise 4,6 Prozent vorn. Der Rückversicherer hatte nach einem starken Quartalsergebnis seine Prognosen angehoben. Die französische Bank verdoppelte ihren Gewinn und übertraf damit die Erwartungen der Analysten.

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