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Markte | Mittwoch, 7. November 2012, 15:49 Uhr

Obama-Effekt am Markt verpufft -Konjunkturdaten drücken

Frankfurt Die Erleichterung der Geldanleger über den klaren Wahlsieg Barack Obamas hat nur kurz gewährt.

Die europäischen Börsen drehten am Mittwochnachmittag ins Minus, auch die Wall Street wurde schwächer erwartet. Für Verunsicherung sorgte, dass Obama auch künftig auf harten Widerstand im Kongress stoßen dürfte, denn die Republikaner konnten ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus behaupten. Der Senat bleibt dagegen in der Hand der Demokraten.

Der weiterhin gespaltene Kongress werde es schwer machen, vor Jahresende die notwendigen Kompromisse im Haushaltsstreit zu finden, sagte Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. "Sollten beide Seiten sich nicht einigen, würden unmittelbar zum Jahresbeginn 2013 automatisch die US-Staatsausgaben gekürzt und die Steuern erhöht in einem Umfang, der 5,1 Prozent der jährlichen US-Wirtschaftsleistung entspricht. Dies könnte die US Wirtschaft in eine erneute Rezession stürzen."

Der Dax, der zu Handelsbeginn noch knapp ein Prozent zugelegt hatte, notierte am Nachmittag 0,6 Prozent niedriger bei 7330 Punkten. Der EuroStoxx50 gab 0,9 Prozent nach. An den Rohstoffmärkten wurden die Preise für Kupfer und Öl mit deutlichen Abschlägen gehandelt.

DEUTSCHE KONJUNKTURDATEN SCHWÄCHELN

Für die schwächelnden Aktienmärkte machten Händler neben den drohenden Haushaltsproblemen in den USA auch enttäuschende Konjunkturdaten aus Deutschland verantwortlich. Die Unternehmen stellten hierzulande im September 1,8 Prozent weniger her als im Vormonat. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich einen Rückgang um 0,5 Prozent erwartet. "Die Euro-Krise schlägt auf die Binnenwirtschaft durch", urteilte Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus. "Die Investitionsneigung der deutschen Unternehmen scheint deutlich zu sinken. Das deutet darauf hin, dass die Wirtschaft im vierten Quartal schrumpfen wird."

Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi drückten ebenso auf die Stimmung: Jüngste Daten signalisierten, dass die Ausläufer der Krise nun auch die deutsche Wirtschaft erreicht hätten, sagte er am Mittwoch auf dem Wirtschaftstag der Volks- und Raiffeisenbanken in Frankfurt.

Der Euro gab deutlich nach und fiel auf ein neues Zwei-Monats-Tief von 1,2734 Dollar. Am Vormittag war er noch bis auf 1,2876 Dollar geklettert. Der Dollar-Index, der die Wechselkurse zu wichtigen anderen Währungen wie dem Euro spiegelt, stieg im Gegenzug um 0,3 Prozent.

Gefragt waren die als sicherer Hafen angesteuerten Bundesanleihen. Die Kurse stiegen, entsprechend gingen die Renditen auf 1,370 Prozent nach 1,435 Prozent im Vortagesgeschäft zurück.

KURSZIELANHEBUNGEN LASSEN BMW DURCHSTARTEN

Am deutschen Aktienmarkt konnten sich BMW-Aktien gegen den Trend im Plus halten. Zahlreiche Banken hatten als Reaktion auf die Quartalsergebnisse vom Vortag ihre Kursziele angehoben. Die Papiere des Münchener Autobauers kletterten um bis zu 3,5 Prozent auf ein Sechs-Monats-Hoch von 66,28 Euro.

Auf der Verliererseite standen die Aktien der Deutschen Bank, die sich um 2,5 Prozent verbilligten. Der europäische Bankenindex verlor 0,5 Prozent. "Der kleine Obama-Bonus ist aufgebraucht, jetzt geht es weiter wie vorher", sagte ein Händler. "žAuch das Thema Schuldenkrise ist wieder da." Nach Einschätzung der EU-Kommission wird Spanien - anders als von der Regierung in Madrid selbst berechnet - auch 2014 mit einem Haushaltsloch von 6,4 Prozent weit vom vereinbarten Defizitziel von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entfernt sein. Mit Bangen erwarten die Anleger am späten Abend zudem die Abstimmung im griechischen Parlament über das neue Sparpaket der Regierung.

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