Bankenkrise in Island verschärft sich - Sparer zittern

Donnerstag, 9. Oktober 2008, 17:26 Uhr
 

Stockholm/Frankfurt (Reuters) - Die isländische Bankenkrise spitzt sich weiter zu.

Die Regierung nahm am Donnerstag auch die größte Bank des Landes, Kaupthing, unter ihre Fittiche, um einen Kollaps des Finanzsystems der Insel zu verhindern. Damit ist bereits das dritte Geldhaus verstaatlicht. Die deutschen Kunden von Kaupthing müssen allerdings um ihre Ersparnisse zittern. Was mit den Einlagen nach der Verstaatlichung der Bank passiert, blieb zunächst völlig im Dunkeln.

Das Institut, das in Deutschland noch bis vor wenigen Tagen mit aggressiven Zinsangeboten für Tagesgelder geworben hatte, gab auf seiner Internetseite lediglich den Hinweis: "Derzeit ist der Zugang auf die Online-Konten nicht möglich. Sie erhalten schnellstmöglich weitere Informationen." Weitere Auskünfte waren von der Niederlassung in Frankfurt nicht zu bekommen. Die Finanzaufsicht BaFin verhängte ein Zahlungs- und Veräußerungsverbot über die deutsche Tochter. Damit solle ein ungeordneter Abzug von Einlagen verhindert werden, wenn die Isländer die Konten wieder freigäben. Auch die österreichische Finanzaufsicht fror die Konten der Kaupthing-Zweigstelle in der Alpenrepublik ein.

Island ist wie kein anderer europäischer Staat durch die Finanzkrise in einen Abwärtsstrudel gerissen worden. Die Insel im Nordatlantik mit ihren 300.000 Einwohnern steht vor dem Bankrott. Die Regierung übernahm in den vergangenen Tagen bereits die anderen beiden Geldhäuser des Landes Glitnir und Landsbanki. Mit der Verstaatlichung versucht Premierminister Geir Haarde eine Staatspleite zu verhindern. Gespräche mit Russland über Milliardenkredite zur Rettung laufen. Die isländische Börse setzte am Donnerstag den Handel für sämtliche Aktien für den Rest der Woche aus. Bereit seit Montag ist der Kauf und Verkauf von Finanzaktien gestoppt.

EINLAGENSICHERUNG GREIFT NICHT

Kaupthing ist nicht Mitglied in den gesetzlichen und freiwilligen Sicherungsfonds der deutschen Geschäftsbanken, die nach eigenen Angaben Ersparnisse von mindestens 1,5 Millionen Euro je Kunde garantieren. Damit greift der isländische Sicherungsfonds, der pro Person umgerechnet 20.887 Euro schützt, wie ein Sprecher von Kaupthing sagte. Zahlen zu Kunden und deren Vermögen bei der deutschen Niederlassung nannte die Bank nicht. Der "Financial Times Deutschland" zufolge hat das Institut in Deutschland 50.000 Kunden und Einlagen von rund 500 Millionen Euro.

Islands Regierung hatte eine Staatsgarantie für alle Privateinlagen bei den isländischen Banken zugesagt. Ob diese auch für die deutschen Sparer gilt, konnte die Bank bisher nicht sagen. Auf der Internetseite des Instituts hieß es, die Einlagen der Kunden außerhalb Islands und Großbritanniens würden nur durch die isländische Einlagensicherung abgedeckt. Die Garantie für die Ersparnisse der deutschen Kunden, die Bundeskanzlerin Angela Merkel am Wochenende ausgesprochenen hatte, gilt für Kaupthing nicht, weil das Institut nicht Mitglied im deutschen Einlagensicherungsfonds ist.