Merck rechnet mit härterem Marktumfeld für seine Chemie
Darmstadt (Reuters) - Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck sieht schwierigere Zeiten anbrechen.
Der Wirtschaftsabschwung und ungünstige Wechselkurse lasten auf dem erfolgsverwöhnten Geschäft mit Flüssigkristallen. "Es wäre illusorisch, wenn wir behaupten, dass wir uns auf Dauer von rezessiven Tendenzen völlig abkoppeln können", sagte Merck-Chef Karl-Ludwig Kley am Montag in Darmstadt. Vorboten sehe der Konzern bereits in der Autoindustrie und bei der Nachfrage nach Bildschirmen.
"Das hinterlässt aber noch keine sichtbaren Spuren in der Erfolgsrechnung. Für 2009 würde ich das aber nicht mehr so fortschreiben wollen", sagte Kley. Der Wirtschaftsabschwung werde sich "in gewissem Ausmaß" auf das Chemiegeschäft auswirken. So sinken etwa wegen der gedrosselten Produktion in der Autoindustrie die Umsätze mit Pigmenten für Autolacke.
GEWINNPROGNOSE FÜR FLÜSSIGKRISTALLE GESENKT
Bei Flüssigkristallen rechnet Merck im laufenden Jahr nur noch mit einer operativen Umsatzrendite von 47 bis 48 Prozent; Ende September hatte Kley noch die alte Vorhersage von 47 bis 52 Prozent bekräftigt. Die Umsätze würden in dem Geschäft mit Kristallen für Flachbildschirme oder Handy-Displays nur noch um fünf bis sechs (bisher: fünf bis zehn) Prozent zulegen.
Kley übte sich zwar in Optimismus, da klassische Röhrenfernseher von LCD-Geräten ersetzt würden. Merck leidet aber unter Wechselkurseffekten, da die Kristalle in Darmstadt produziert, die Geschäfte aber zum Großteil in Dollar und asiatischen Währungen abgerechnet werden. Im dritten Quartal sank der operative Gewinn der Sparte daher um sechs Prozent auf 112 Millionen Euro, die Umsatzrendite lag mit 47 Prozent auf dem Vorjahresniveau.
Auch für den Konzern äußerte sich der Vorstand etwas vorsichtiger als zuletzt. Er geht nun von einem Anstieg der Gesamterlöse um sechs bis acht Prozent (bisher: fünf bis neun Prozent) aus. Zudem strebt Merck eine operative Marge vor Abschreibungen und Integrationskosten von 23 bis 25 (2007: 24,8) Prozent an. Bislang wurden 23 bis 27 Prozent erwartet. Im dritten Quartal steigerte das Unternehmen seine Gesamterlöse um fast neun Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Der operative Gewinn erhöhte sich binnen Jahresfrist um sechs Prozent auf 309 Millionen Euro und erfüllte die Analystenerwartungen.
Das starke Geschäft mit den wichtigsten Pharmaprodukten, dem Multiple-Sklerose-Mittel Rebif und dem Krebsmittel Erbitux, bügelte die Schwäche der Flüssigkristalle aus. So stieg das operative Ergebnis der Medikamentensparte um 20 Prozent auf 170 Millionen Euro. Die Umsätze mit Rebif erhöhten sich um zehn Prozent auf 338 Millionen Euro. Mit Erbitux setzte Merck 134 Millionen Euro um, ein Plus von 13 Prozent binnen Jahresfrist, aber weniger als Analysten erwartet hatten. Bei Darmkrebspatienten wird zunehmend ein Gentest gemacht, bevor sie das Mittel verabreicht bekommen. Kley geht jedoch davon aus, dass Erbitux 2009 auf den Wachstumspfad zurückkehrt.
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