Google und Yahoo streichen offenbar Kooperation zusammen
Washington/San Francisco (Reuters) - Die Internetkonzerne Google und Yahoo werden im Bereich Online-Werbung offenbar deutlich weniger kooperieren als bisher geplant.
Grund seien die Bedenken der US-Kartellbehörde, sagte eine mit der Situation vertraute Person am Montag. Analysten sprachen von einem weiteren Rückschlag für Yahoo, das nach dem geplatzten Verkauf an Microsoft große Hoffnung auf die Zusammenarbeit mit Google gesetzt hatte. Erste Führungskräfte haben Yahoo bereits verlassen, der Aktienkurs befindet sich auf Talfahrt. Viele Experten halten nun ein Zusammengehen von Yahoo und AOL für wahrscheinlich.
Da Google und Yahoo zusammen über 80 Prozent des US-Suchenmaschinen-Marktes beherrschen, hatten die US-Behörden offenbar Vorbehalte gegen eine intensive Kooperation der beiden Marktführer. Um diese Bedenken zu zerstreuen, hätten die Firmen dem US-Justizministerium am Montag ein überarbeitetes Konzept übergeben, sagte die Person. Google und das Justizministerium äußerten sich nicht. Eine Yahoo-Sprecherin erklärte, der Konzern arbeite mit dem Ministerium bezüglich einer Vereinbarung zusammen. "Diese Diskussionen dauern an."
"KLEINES PFLASTER STATT UMFANGREICHER OPERATION"
Kreisen zufolge soll die geplante Werbepartnerschaft beider Konzerne zunächst auf zwei Jahre begrenzt werden. Ursprünglich waren zehn Jahre vorgesehen. Zudem würden bei Yahoo die Erlöse aus der Partnerschaft auf 25 Prozent des Umsatzes aus dem Suchmaschinen-Geschäft begrenzt. Google-Kunden sollten außerdem die Möglichkeit erhalten, ihre Werbung ausschließlich bei Google und nicht bei Yahoo zu platzieren. Für Yahoo sei dies "ein kleines Pflaster statt der benötigten umfangreichen Operation", sagte Experte Mukul Krishna von Frost and Sullivan. "Außerdem fragt man sich: Was passiert nach zwei Jahren?"
Yahoo hatte auf die Mitte Juni vereinbarte Zusammenarbeit große Hoffnung gesetzt und sich 250 bis 450 Millionen Dollar Mehrgewinn pro Jahr versprochen. Die reduzierte Kooperation werde Yahoo nun lediglich 80 bis 100 Millionen Dollar bringen, schätzt die Investmentbank Needham. So werde die wahrscheinliche Genehmigung der reduzierten Kooperation durch die US-Behörden dem Yahoo-Aktienkurs wenig helfen, erklärte Needham.
BESCHRÄNKUNG BELASTET YAHOO STÄRKER ALS GOOGLE
Die Kooperation beider Unternehmen wird weithin als ein Versuch von Google angesehen, die Übernahme von Yahoo durch Microsoft zu durchkreuzen. Die Partnerschaft war im Juni unmittelbar nach dem Scheitern von Übernahmeverhandlungen zwischen Yahoo und Microsoft verkündet worden. Aufgrund der eingeschränkten Zusammenarbeit rechnen viele Analysten nun mit einer Fusion von Yahoo mit dem Konkurrenten AOL. Yahoo befinde sich deshalb weiterhin in Gesprächen mit AOL-Mutter Time Warner, berichteten mit der Situation vertraute Personen.
Google wird die beschränkte Zusammenarbeit laut Experten weniger belasten als Yahoo. Da werbetreibende Unternehmen im Abschwung ihre Ausgaben stärker auf den Marktführer konzentrieren, baute Google Gewinn und Umsatz zuletzt deutlich aus. Der Marktanteil in den USA stieg laut dem Web-Marktforscher comScore auf 63 Prozent. Yahoos Stellung ging dagegen auf 19,6 Prozent zurück, der Anteil von Microsoft sank auf 8,3 Prozent. Microsoft, das bisher vor allem mit Betriebssystemen und Bürosoftware Geld verdient, will seit langem seine Position im Zukunftsmarkt für Internet- und Suchmaschinenwerbung stärken.
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