Kreise: BayernLB braucht 10 Mrd Euro frisches Kapital

Mittwoch, 26. November 2008, 19:31 Uhr
 

München (Reuters) - Die BayernLB rutscht immer tiefer in die Krise und braucht Finanzkreisen zufolge noch mehr frisches Kapital als bislang befürchtet.

Auf zehn Milliarden Euro belaufe sich der Bedarf mittlerweile, hieß es am Mittwoch aus dem Umfeld von Deutschlands zweitgrößter Landesbank. Zuletzt hatte das Münchner Kreditinstitut, das wegen hoher Lasten im Zuge der weltweiten Finanzkrise mit dem Rücken zur Wand steht, den Kapitalbedarf noch auf 6,4 Milliarden Euro beziffert. Davon wollten die Eigentümer - je zur Hälfte das Land Bayern und die Sparkassen im Freistaat - eine Milliarde Euro aufbringen, der Rest sollte aus dem Topf des Bundes für die krisengeschüttelte Branche kommen. Das Bundesfinanzministerium hatte gegen den Plan jedoch Bedenken angemeldet, weil es zuvor schon höhere Zusagen von Land und Sparkassen gab.

Der mittlerweile noch höhere Kapitalbedarf gehe unter anderem auf die jüngsten Verwerfungen an den Börsen zurück, sagte eine mit der Situation vertraute Person zu Reuters. Zudem wolle die BayernLB ihre Kernkapitalquote nun doch auf neun Prozent statt der zunächst geplanten acht Prozent bringen. Die BayernLB lehnte einen Kommentar zu den Informationen ab. Auch die Eigentümer wollten sich nicht äußern.

Die immer größeren Probleme der Bank könnten auch das Machtgefüge bei der BayernLB verändern. Es gebe Hinweise, dass die Sparkassen bei Kapitalerhöhungen nicht mehr mitziehen wollen, wodurch ihre Beteiligung zu einem Minderheitspaket verwässert werden würde, hieß es im Umfeld der BayernLB weiter. Selbst ein Ausstieg der Sparkassen sei nicht mehr ausgeschlossen. In den nächsten Tagen und am Wochenende seien bei Sparkassen und BayernLB weitere Krisensitzungen geplant.

Bayern erwägt bereits eine Sanierung der Landesbank im Alleingang. Sollte der Bund die angeforderte Finanzspritze für die BayernLB nicht zur Verfügung stellen, müsse der Freistaat nach einer Lösung suchen, sagte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) dem "Handelsblatt". "Eine Überlegung ist, wie die Baden-Württemberger alleine zu marschieren, und zwar so, dass wir die Sparkassen nicht in Schwierigkeiten bringen." In Baden-Württemberg greifen die Eigentümer der ebenfalls mit hohen Verlusten kämpfenden Landesbank LBBW mit fünf Milliarden Euro unter die Arme. An der Finanzspritze beteiligen sich dort alle Anteilseigner.