Mutterkonzern von Porzellanfirma Rosenthal wird zerschlagen

Montag, 5. Januar 2009, 17:04 Uhr
 

Dublin/München (Reuters) - Der Mutterkonzern des traditionsreichen fränkischen Porzellanherstellers Rosenthalist pleite.

Die irische Waterford Wedgwood meldete am Montag Insolvenz für Unternehmensteile in Irland und Großbritannien an. Rosenthal ist davon nach eigenen Angaben noch nicht betroffen. Das Unternehmen aus Selb teilte mit, der Vorstand wolle gemeinsam mit dem Zwangsverwalter von Waterford Wedgwood die eigene Zukunft sichern. Der Konzern mit knapp 1600 Mitarbeitern, der seit 1997 zu Waterford Wedgwood gehört, ist der größte deutsche Porzellanhersteller.

"Bei Rosenthal läuft das Geschäft normal weiter", sagte eine Sprecherin. Der Vorstand werde in den nächsten Tagen weitere Gespräche mit dem Insolvenzverwalter führen. Waterford Wedgwood versucht seit Juni, seinen Anteil von 90,7 Prozent an Rosenthal zu verkaufen. Die Iren waren 1997 bei Rosenthal eingestiegen. Die Gespräche mit einem möglichen Investor befänden sich "in einem fortgeschrittenen Zustand", hieß es in Selb. Wann mit einem Abschluss zu rechnen sei, ließ die Sprecherin offen.

Der 1879 gegründete fränkische Konzern schrieb im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2008/09 einen Verlust von 10,4 Millionen Euro bei einem Umsatz von 71 Millionen Euro.

Den Fabrikanten feiner Tafelservice macht seit Jahren die Billigkonkurrenz aus Osteuropa zu schaffen. Teures Porzellan fehlt - anders als früher - meist auf Gabentischen zur Hochzeit. Waterford Wedgwood bemühte sich zuletzt, seine Produktpalette zu modernisieren. Doch die Konjunkturflaute, der starke Euro und die Finanzkrise zwangen den verlustreichen Kristall- und Porzellanhersteller in die Knie. Die Banken verlängerten eine Frist für fällige Zinszahlungen nicht mehr, so dass Teile des Konzerns unter Zwangsverwaltung gestellt wurden. Vorstandschef David Sculley hoffte am Montag auf einen Käufer.

Waterford Wedgwood entstand 1986 aus der Fusion zweier Unternehmen, deren Geschichte und Renommee bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht. Seit damals zierten Waterford-Kristall und Wedgwood-Porzellan die Tafeln europäischer Adelshäuser. Der Konzern beschäftigt weltweit rund 8000 Mitarbeiter.