Finanzvertrieb MLP will kleinere Vermittler schlucken
Frankfurt (Reuters) - Angesichts eines lahmenden Geschäfts in der Finanzkrise setzt MLP verstärkt auf Zukäufe.
Zwei bis drei kleinere Versicherungs- und Finanzmakler mit 80 bis 200 Mitarbeitern könnte MLP im Jahr integrieren, sagte Vorstandschef Uwe Schroeder-Wildberg am Mittwoch in Frankfurt. "Wir führen aktiv Gespräche, die sich schnell konkretisieren können, aber nicht müssen." Vor allem in der Verwaltung will MLP nach einem Gewinneinbruch um 60 Prozent im vergangenen Jahr 22 Millionen Euro sparen, 12 Millionen davon 2009. Kündigungen seien nicht geplant, sagte Schroeder-Wildberg.
"Vielen, vor allem kleineren Vermittlern, fehlt das notwendige Kapital", erklärte der MLP-Chef das verstärkte Werben um Konkurrenten. "Der Leidensdruck steigt." Die Zahl der Berater ging im vergangenen Jahr um fünf Prozent auf 2428 zurück, die Abwanderungsquote war mit 17 Prozent ungewöhnlich hoch. Mehrere neue Finanzvertriebe hatten den Großen Mitarbeiter abgeworben.
2008 sanken die Provisionserlöse von MLP - die größte Einnahmequelle - um sieben Prozent auf 514 Millionen Euro, im vierten Quartal brachen sie sogar um 19 Prozent ein. Kunden hielten sich in der Finanzkrise mit dem Einstieg in die Altersvorsorge zurück, erklärte MLP. Die Kundenzahl stieg 2008 um 27.000 auf 730.000. Der Gewinn fiel - ohne das zum Verkauf gestellte defizitäre Österreich-Geschäft - auf 31,1 Millionen von 77,5 Millionen Euro. Um 28 (2007: 50) Cent Dividende zahlen zu können, muss MLP zehn Millionen Euro Rücklagen auflösen.
Im neuen Jahr begnügt sich MLP damit, besser abzuschneiden als die Konkurrenz, die vielfach mit Umsatzrückgängen rechnet. Anfang 2008 hatte MLP noch von der Erhöhung der Beiträge zur Riester-Rente profitiert, das Jahresendgeschäft lief schleppend. Nur der Vermögensverwaltungs-Tochter Feri kam der Mittelzufluss vor Einführung der Abgeltungssteuer zugute.
SWISS LIFE SOLL RAUS
Den ungeliebten Großaktionär Swiss Life will Schroeder-Wildberg so schnell wie möglich wieder loswerden. "MLP ist nicht vorstellbar unter dem Dach eines Versicherers", sagte er. Swiss Life war mit der Übernahme von AWD an ein 24-Prozent-Paket des Rivalen MLP gekommen, das AWD-Chef Carsten Maschmeyer im Verborgenen zusammengekauft hatte. MLP stoppte daraufhin den Verkauf von Swiss-Life-Policen. Finanzkreisen zufolge fordert der Vorstand einen Abbau der Beteiligung auf weniger als zehn Prozent.
Der Schweizer Versicherer will in diesem Jahr eine Lösung finden. Ein Swiss-Life-Sprecher bekräftigte am Mittwoch: "Wir glauben daran, dass eine engere Kooperation von Swiss Life, AWD und MLP sinnvoll wäre." Das lahmende Geschäft der beiden Firmen lastet auf dem Aktienkurs von Swiss Life.
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