Fredriksen erhöht Druck auf TUI vor Hauptversammlung

Dienstag, 12. Mai 2009, 15:14 Uhr
 

Hannover (Reuters) - Der streitbare TUI-Großaktionär John Fredriksen erhöht den Druck auf das von ihm ungeliebte Management des größten europäischen Tourismuskonzerns.

Mit neuerlichen Aktienkäufen hat er seinen Einfluss nach eigenen Angaben ausgebaut. "Wir haben jetzt mehr als 16,81 Prozent", sagte sein Vertrauter Tor Olav Troim am Dienstag zu Reuters. Die genaue Höhe wolle er möglicherweise bei der TUI-Hauptversammlung am Mittwoch nennen. Auch auf andere Weise habe sich der norwegische Reeder mittlerweile Mitsprache bei dem hannoverschen Konzern gesichert: "Wir haben jetzt auch Kreditinstrumente in TUI", sagte Troim. Nähere Angaben zu diesem Engagement wollte er aber nicht machen.

Dass Fredriksen nun zusammen mit Verbündeten den TUI-Oberaufseher Jürgen Krumnow stürzen kann, ist aber weiterhin eher unwahrscheinlich. Finanzkreisen zufolge wird er insgesamt wohl rund ein Viertel der Stimmen hinter sich sammeln können. Einige prominente Mitstreiter des vergangenen Jahres, wie der US-Vermögensverwalter Neuberger Berman, fallen weg, da Fredriksen deren Anteile Kreisen zufolge übernommen hat.

Das TUI-Management hat hingegen etwa 35 Prozent der Stimmen sicher. Es gilt zudem als wahrscheinlich, dass viele kleinere Eigner mit der Verwaltung stimmen werden, da sich Fredriksen mit seiner rauen Art nicht nur Freunde gemacht hat. Wichtigste Verbündete von Krumnow und Konzernchef Michael Frenzel sind der bereits im Vorjahr zu Hilfe gerufene Russe Alexej Mordaschow, der 15 Prozent der Anteile hält, sowie weitere Geschäftspartner etwa aus Spanien, Marokko und Ägypten. Allein ihre Stimmen dürften für eine Mehrheit auf dem Aktionärstreffen genügen, selbst wenn die Präsenz wieder sehr hoch ausfallen sollte. Im vergangenen Jahr waren 71,5 Prozent des Kapitals vertreten, wovon eine Mehrheit von 57 Prozent mit dem TUI-Management stimmte.

Fredriksen hat beantragt, zusammen mit Troim in den Aufsichtsrat gewählt zu werden, wobei Krumnow und ein weiteres Gremiumsmitglied Platz machen sollen. Der Konzern hält die Norweger angesichts ihrer lautstarken Attacken gegen das TUI-Management im vergangenen Jahr jedoch für nicht tragbar. TUI hatte dem Reeder vor kurzem einen Sitz für eine von ihm benannte neutrale Person angeboten. Diese Offerte hatte Fredriksen aber ausgeschlagen.

Dass die von ihm beantragte Überprüfung der als zu hoch empfundenen TUI-Managergehälter von den Aktionären beschlossen wird, hält der Norweger für wahrscheinlich. In dieser Sache hat bereits die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger Unterstützung signalisiert. Fredriksen will zudem den Vorratsbeschluss für einen Aktienrückkauf verhindern, der bei vielen Unternehmen zum Standardrepertoire auf Aktionärstreffen zählt. Dafür sind nur 25 Prozent der Stimmen nötig. Dieser Schritt ruft bei anderen Aktionären allerdings Befremden hervor. "Das ist destruktiv, das verstehen viele Anteilseigner nicht", sagte ein Aktionär, der knapp ein Prozent des Kapitals vertreten wird.