Winzige Sportwagen-Schmiede soll Autokonzern Saab retten

Dienstag, 16. Juni 2009, 15:00 Uhr
 

Stockholm (Reuters) - Die winzige Supersportwagen-Schmiede Koenigsegg mit ihren 45 Mitarbeitern soll den schwedischen Autokonzern Saab mit tausenden von Beschäftigten retten.

In einem der ungewöhnlichsten Kapitel der Automobilgeschichte vereinbarte der insolvente US-Konzern General Motors am Dienstag, seine ebenfalls zahlungsunfähige und verlustträchtige Tochter an die schwedische Nobelmarke zu verkaufen. Bislang baut Koenigsegg nur wenige Extrem-Sportwagen im Jahr, die je nach Modell mit über 1000 PS fast 400 Kilometer pro Stunde fahren können und mehr als eine Million Euro kosten. Branchenexperten zeigten sich verdutzt.

GM Europe bezeichnete die Einigung als Meilenstein für die Bemühungen Saabs, wieder in geordnete Verhältnisse zu kommen. Zunächst wollen GM und Koenigsegg Saab mit gemeinsamer Finanzierung am Laufen halten und die Entwicklung neuer Automodelle sichern. Koenigsegg und GM setzen zudem auf eine Finanzhilfe von rund 450 Millionen Euro von der Europäischen Investitionsbank (EIB), die von der schwedischen Regierung abgesichert werden soll. Die EIB hat die Finanzspritze jedoch noch nicht abgesegnet. Die schwedische Regierung begrüßte die Einigung zwar, räumte jedoch ebenfalls Unklarheiten bei der Finanzierung ein.

Saab gehört seit zwei Jahrzehnten zu GM und galt in Schweden lange als Ikone für Verlässlichkeit und Stabilität. Zuletzt häuften sich aber die Probleme: Allein im laufenden Jahr rechnet Saab mit einem Verlust von fast 300 Millionen Euro; insgesamt taxiert der Konzern seinen Kapitalbedarf für eine Wende auf mehr als 700 Millionen Euro. Das schwedische Traditionsunternehmen erwartet erst 2011 wieder einen Gewinn. Deshalb wurde Saab in diesem Jahr von seiner inzwischen insolventen Mutter General Motors zum Verkauf gestellt.

Im vergangenen Jahr stellte Koenigsegg lediglich 18 Sportwagen her - so viel produziert Saab mit seinen rund 3400 Beschäftigten in wenigen Stunden; die Jahresproduktion belief sich 2008 auf 93.000 Fahrzeuge. Christian von Koenigsegg gründete seine Firma vor 15 Jahren. Triebfeder war vor allem eine Leidenschaft für Autos - schon im Alter von fünf Jahren träumte er davon, sie eines Tages zu bauen. Seine Auto-versessenen Kunden können mit ihren Privatjets auf die firmeneigene Landebahn der Edelschmiede kommen.

Branchenexperten stellen in Frage, ob die seltsame Vermählung Aussicht auf Erfolg hat. Sie bezweifeln, dass der Technik-Enthusiast Koenigsegg das Zeug zum echten Manager hat. Die Strategie könne nur lauten, für Saab eine besondere Identität herauszuarbeiten, sagte etwa Mikael Wickelgren von der Universität in Skovde unweit der Saab-Firmenzentrale in Südschweden. "Die Logik muss im Ungewöhnlichen und Einzigartigem liegen. Ansonsten kann ich diesen Deal nicht verstehen."

(Reporter: Veronica Ek und Sven Nordenstam, bearbeitet von Sören Amelang, redigiert von Ralf Bode)