Lufthansa bei Übernahmen von Brussels und BMI am Ziel

Montag, 22. Juni 2009, 17:11 Uhr
 

Brüssel/Frankfurt (Reuters) - Nach monatelangem Gezerre ist die Lufthansa bei den Übernahmen von Brussels Airlines und der britischen BMI am Ziel.

Am Montag genehmigte die EU-Kommission den Einstieg der größten deutschen Fluggesellschaft bei Brussels und schaffte damit die letzte Hürde für den Deal aus dem Weg. Zugleich einigte sich Lufthansa im Streit mit BMI-Gründer Michael Bishop über die Mehrheitsübernahme der Airline zu deutlich besseren Konditionen.

Bishop verkauft seinen BMI-Anteil von gut 50 Prozent nun nicht an Lufthansa direkt, sondern an die eigens dafür gegründete Zwischenholding LHBD, an der die Airline 35 Prozent hält. Der Preis liegt bei 48 Millionen Pfund. Zusätzlich erhält Bishop eine Ausgleichszahlung von 175 Millionen Pfund, da er auf die Option verzichtet, BMI zu den vor Jahren vereinbarten Konditionen an Lufthansa zu verkaufen. Die deutsche Fluggesellschaft hatte dafür rund 400 Millionen Euro zurückgelegt. Allerdings war BMI durch die Wirtschaftskrise und die steigenden Ölpreise in Bedrängnis geraten und fliegt hohe Verluste ein. Auch die begehrten Start- und Landerechte von BMI am gewöhnlich hochfrequentierten Londoner Flughafen Heathrow sind durch die geringere Nachfrage nach Flugreisen nun weniger wert. Dadurch war zwischen Lufthansa und Bishop ein Streit über die Übernahme ausgebrochen, den der britische Unternehmer schließlich vor Gericht brachte. Lufthansa hält bereits etwa 30 Prozent der BMI-Anteile, die restlichen 20 Prozent liegen beim Star-Alliance-Partner SAS, der sich nach Angaben eines Sprechers ebenfalls von seinen Aktien trennen will. Darüber gebe es weiterhin Gespräche mit Lufthansa.

An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Die Lufthansa-Aktie grenzte im Tagesverlauf ihre Verluste deutlich ein.

ABSCHLUSS IN WENIGEN TAGEN

Beide Übernahmen will Lufthansa nun in wenigen Tagen unter Dach und Fach bringen. Der Einstieg bei Brussels soll nach der erfolgten EU-Genehmigung nun bis Ende Juni erfolgen. Zunächst will Lufthansa für 65 Millionen Euro 45 Prozent an der Brussels-Mutter SN Airholding kaufen. Die restlichen Anteile sollen ab 2011 für weitere bis zu 185 Millionen Euro folgen. Bedingung für den Einstieg ist, dass Lufthansa auf den Strecken zwischen Brüssel und Frankfurt, München, Hamburg sowie Zürich Start- und Landerechte (Slots) an Konkurrenten abgibt. Die Kommission hatte Bedenken, die Übernahme könnte auf diesen Routen den Wettbewerb einschränken. "Wir sind zuversichtlich, dass die zur Verfügung gestellten Slots von einem Konkurrenten übernommen werden, der neu in den Markt eintritt", sagte ein Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes.

In Großbritannien soll der BMI-Verkauf am 1. Juli von statten gehen. Die Übernahme ist auf einen längeren Zeitraum angelegt. Zunächst sollen 65 Prozent der Anteile in britischer Hand bleiben um die Verkehrsrechte von BMI zu wahren. Langfristig will Lufthansa die Mehrheit an der Zwischenholding LHBD übernehmen.

Auf der Übernahmeliste der Lufthansa steht nun einzig hinter dem geplante Kauf von Austrian Airlines noch ein Fragezeichen. Die EU-Kommission nimmt sowohl die Auswirkungen auf den Wettbewerb als auch den geplanten Schuldenerlass von 500 Millionen Euro durch den österreichischen Staat unter die Lupe.

Auf einen Gewinnbeitrag der Airlines kann die selbst zunehmend unter Druck geratende Lufthansa im laufenden Jahr aufgrund der Wirtschaftskrise wohl nicht hoffen. Neben der Verluste schreibenden BMI wird es laut Brussels-Co-Chef Bernard Gustin auch die belgische Airline schwer haben, im laufenden Jahr einen Gewinn zu erzielen. Austrian hatte im vergangenen Jahr gar einen Verlust von knapp 430 Millionen Euro verbucht und rechnet im laufenden Jahr mit anhaltend schwierigen Rahmenbedingungen.