GM-Europa-Chef Forster: Baldiger Verkauf an Magna

Sonntag, 5. Juli 2009, 16:43 Uhr
 

Frankfurt/Berlin (Reuters) - Im Ringen um den Verkauf von Opel wird ein Zuschlag für den kanadischen Zulieferer Magna immer wahrscheinlicher.

"Nach dem Treffen der Spitzen von GM und Magna bin ich äußerst zuversichtlich, da wurde weitgehend Einverständnis erzielt", sagte GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Der chinesische Konzern BAIC bekräftigte sein Interesse an Opel dennoch, wie es in Berliner Regierungskreisen am Wochenende hieß.

Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus, in dessen Bundesland Opel ein Werk in Eisenach betreibt, sieht die Arbeitsplätze bereits als gesichert an. Er erwarte, dass der Magna-Vertrag in trockenen Tüchern sei. Dagegen bremste Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg: Die Verhandlungen seien noch offen, betonte er.

Forster sagte, die Gespräche mit anderen Investoren seien bei weitem nicht so weit fortgeschritten. "Magna hat einen ganz erheblichen Vorsprung." Die Nutzung der Patente sei inzwischen weitgehend geklärt. Diskutiert würde jetzt noch die künftige Konstellation in Russland. Einen Termin für eine Vertragsunterzeichnung nannte Forster nicht, doch "es wäre toll, wenn es bis Mitte Juli klappen würde." Der Chef des kanadischen Autozulieferers, Siegfried Wolf, mache Druck.

Forster reagierte damit auch auf Äußerungen aus der Bundesregierung, wo auf Probleme bei den Verhandlungen hingewiesen wurde und weitere Interessenten etwa aus China genannt wurden. Nach Angaben aus Regierungskreisen wandte sich der chinesische Konzern BAIC erneut an Deutschland und betonte sein Interesse an Opel. Allerdings wird der neue Anlauf von BAIC laut "Welt" (Samstagausgabe) als "taktisches Störfeuer" gesehen. "General Motors wird kaum das Risiko eingehen, die Europa-Tochter und damit wertvolle Technologie an einen chinesischen Autobauer zu verkaufen, der dem US-Konzern dann in Fernost Konkurrenz macht", zitierte die Zeitung ein Mitglied des Opel-Aufsichtsrates.

Althaus sagte der Berliner Tageszeitung "B.Z. am Sonntag", er sehe keine großen Hürden mehr für Magna. Die Arbeitsplätze ohne Kündigungen seien dann gesichert, sagte der CDU-Politiker, der sich im August zur Wiederwahl stellt. Guttenberg bekräftigte allerdings erneut, es seien bei den Verhandlungen mit Magna noch einige Fragen offen. "Ich nehme das ehrgeizige Ziel von Magna zur Kenntnis, Mitte Juli einen Vertrag unterschreiben zu wollen", sagte der CSU-Politiker der "WAZ".

Magna hatte sich mit GM, der US-Regierung und der Bundesregierung bereits grundsätzlich auf einen Einstieg bei Opel verständigt. Der Vertrag ist allerdings rechtlich nicht bindend. GM hatte auch dem Finanzinvestor RHJ International und BAIC Einblick in die Opel-Bücher gewährt. Wie Reuters erfahren hatte, rechnet sich BAIC Chancen gegen Magna aus und hat ein neues Angebot für den Rüsselsheimer Autobauer abgegeben, eine verbindliche Offerte soll folgen.

Opel gehört nach der Abspaltung von GM einem Treuhänder, der bis zum Verkauf an einen Investor eine Mehrheit von 65 Prozent der Anteile verwaltet. Die Verkaufsverhandlungen führt aber weiterhin GM. Grundlage für einen Abschluss ist aber auch eine Bürgschaft über rund drei Milliarden Euro, die noch von der EU genehmigt werden muss.