US-Finanzierer CIT spricht mit Geldgebern - Pleite droht

Freitag, 17. Juli 2009, 19:25 Uhr
 

New York (Reuters) - Der vom Kollaps bedrohte US-Mittelstandsfinanzierer CIT hat sich in seinem womöglich letzten Rettungsversuch nochmals an private Geldgeber gewandt.

Nachdem sich die Hoffnung auf eine milliardenschwere Finanzspritze vom Staat vorerst nicht erfüllte, versuchten Management und Verwaltungsrat das Überleben des Konzerns durch Kapitalzusagen aus der Privatwirtschaft zu sichern, wie CIT mitteilte. Aus Kreisen verlautete am Freitag, dass CIT Gespräche mit den Großbanken JPMorgan Chase und Goldman Sachs über eine kurzfristige Finanzierung im Volumen von zwei bis drei Milliarden Dollar führe.

Zugleich berieten Branchenkreisen zufolge etwa ein Dutzend Anleihenbesitzer, darunter die Allianz-Sparte Pacific Investment Management, über das weitere Vorgehen. Die Teilnehmer der Telefonkonferenz hätten CIT-Wertpapiere von jeweils mindestens 500 Millionen Dollar in ihrem Bestand. Der in Schieflage geratene Finanzierer spreche mit den Gläubigern über einen Umtausch von Schulden in Aktien, um eine Insolvenz zu verhindern. Diskutiert worden sei auch der Verkauf von Vermögenswerten und eine Umschuldung. Ein Antrag von CIT auf Gläubigerschutz sei in den kommenden Tagen weiterhin möglich. Das New Yorker Unternehmen stehe weiter mit den Behörden in Kontakt.

ANALYSTEN ERWARTEN WEITERHIN BANKROTT

Analysten bewerteten die Überlebenschancen des Finanzierers von mehreren Hunderttausend Firmen als gering. Während CIT selbst einen kurzfristigen Kapitalbedarf von zwei Milliarden Dollar signalisiert hat, gehen einige Branchenexperten von vier bis sechs Milliarden Dollar oder mehr aus. Eine Umschuldung oder der Verkauf von Vermögenswerten würde CIT auch nur zeitweise entlasten. Im US-Anleihenmarkt wurde am Freitagvormittag darüber spekuliert, dass sich ein Käufer für CIT finden könnte. Das Unternehmen wollte die Gerüchte nicht kommentieren.

Ein Bankrott von CIT wäre die größte Bankenpleite seit dem Zusammenbruch der Traditionsbank Lehman Brothers im September. Die Folgen wären aber wohl deutlich geringer. CIT ist im Hinblick auf die Vermögenswerte nur ein Neuntel so groß wie Lehman. Dennoch bekämen die unterschiedlichsten Institutionen die Auswirkungen einer Insolvenz zu spüren: CIT war unter anderem ein großer Sponsor in der Kunstwelt. Auch das weltberühmte Metropolitan Museum of Art in New York erhielt Gelder von CIT. Zudem stellte es für etliche Profi-Fußball-, Hockey- und Basketballteams in den USA, Kanada und England die Finanzierung sicher.

Die Regierung bekräftigte derweil, dass die Meßlatte für Staatshilfen hoch liege. Vieles hänge dabei davon ab, ob ein Unternehmen sich als nachhaltig tragfähig erweise, sagte ein Sprecher des Präsidialamts. Nach Meinung von Analysten signalisiert der Fall, dass die Regierung CIT nicht als unbedingt systemrelevanten Konzern ansieht. Größeren Geldhäusern wie der Citigroup und dem Versicherer AIG war die Regierung in der Vergangenheit zur Seite gesprungen.

CIT hatte bereits im Dezember Regierungshilfen in Höhe von 2,3 Milliarden Dollar aus dem Rettungsprogramm für die Finanzbranche (TARP) erhalten. Viele kleine und mittelständische Unternehmen sind von den Krediten der CIT abhängig. Das Institut finanziert beispielsweise kleinere Fluggesellschaften, Eisenbahnen oder Einzelhändler. Der Konzernvorstand hatte sich vor einigen Jahren entschieden, vermehrt in hochriskante Wertpapiere wie die sogenannten Subprime-Hypotheken zu investieren. Dadurch geriet CIT zu Beginn der Finanzkrise vor zwei Jahren deutlich unter Druck.