Abwrackprämien treiben Autoabsatz in Deutschland und USA

Dienstag, 4. August 2009, 17:46 Uhr
 

Hannover (Reuters) - Staatliche Verschrottungsprämien haben den Autoherstellern in Deutschland Verkaufssprünge beschert und den US-Markt gestützt.

Dabei profitierten vor allem Anbieter von verbrauchsarmen Kleinwagen, während teure Spritschleudern sich weiterhin schlecht verkauften. Unter den deutschen Autobauern profitierte besonders VW, während Daimler, BMW und Porsche das Nachsehen hatten.

In Deutschland zählte das Kraftfahrt-Bundesamt ein Zulassungsplus von knapp 30 Prozent, wie die Behörde am Dienstag mitteilte. Damit stiegen die Anmeldungen im bisherigen Jahresverlauf um 27 Prozent auf 2,4 Millionen. In den USA fanden im Juli so viele Autos einen Käufer wie bisher in keinem Monat dieses Jahres. Auf das Jahr hochgerechnet erwarten Analysten nun ein Absatzminus von 15 Prozent auf 11 Millionen Fahrzeuge und nicht mehr - wie es die bisherigen Zahlen befürchten ließen - von einem Drittel.

Experten sehen die Erholung allerdings als vorübergehendes Phänomen an. "In vielen Märkten gibt es derzeit eine Scheinblüte", sagte Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft. "Man darf nicht davon ausgehen, dass wir in einen sich selbst tragenden Aufschwung hineinkommen." NordLB-Analyst Frank Schwope ergänzte: "2010 werden wir in Deutschland wohl einen Einbruch beim Absatz um eine Million auf 2,6 bis 2,7 Millionen erleben." Christoph Stürmer vom Analysehaus Global Insight erklärte, die Verkaufssubventionen machten den aufgestauten Bedarf sichtbar. "Wenn man von den überhöhten Autopreisen runter kommen würde, würde dies zu einer stabileren Erneuerung des Autobestands führen."

"BARGELD FÜR SCHROTTLAUBEN"-PROGRAMM TREIBT US-MARKT

Die staatliche "Umweltprämie" verhalf Marktführer VW in den ersten sieben Monaten in Deutschland zu einem Verkaufsplus von 31 Prozent. Das Unternehmen wurde dabei aber von Kleinwagen-Spezialisten wie Fiat klar überrundet. Die Italiener verdoppelten ihren Absatz. Die Luxus-Karossen von Mercedes fanden hingegen 17 Prozent weniger Käufer, der Absatz von BMW und Porsche schrumpfte um je rund zehn Prozent.

Nach Deutschland und zahlreichen europäischen Ländern haben auch die USA vor Kurzem eine Abwrackprämie von 4500 Dollar eingeführt. Das Programm sorgte für eine Erholung des Markts, der nur noch um zwölf Prozent nachgab. Ford verbuchte eine Absatzsteigerung von gut zwei Prozent - das erste Plus auf Monatsbasis seit November 2007. Chrysler bremste den Abwärtstrend ab auf 9,4 Prozent, das Minus in den ersten sieben Monaten liegt bei knapp 42 Prozent. VW steigerte seine Verkäufe in den USA um 0,7 Prozent. Für die Marken Mercedes-Benz und BMW interessierten sich hingegen rund ein Viertel weniger Käufer, Porsche musste sogar einen Einbruch um die Hälfte hinnehmen.

In Frankreich stiegen die Autoverkäufe im Juli um drei Prozent und in Italien um sechs Prozent, während sich die Talfahrt in Spanien auf ein Minus von zehn Prozent verlangsamte.

 
<p>Old cars are pictured on a junkyard in the western city of Herten March 26, 2009. REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY TRANSPORT POLITICS)</p>