Boehringer Ingelheim baut 800 Stellen im US-Vertrieb ab
Frankfurt (Reuters) - Deutschlands zweitgrößter Pharmakonzern Boehringer Ingelheim will in den USA rund ein Drittel seiner Stellen im Vertrieb streichen.
Die derzeit etwa 3000 Vertriebsstellen auf dem weltgrößten Pharmamarkt sollten auf etwa 2200 verringert werden, sagte eine Sprecherin am Freitag. Zur Begründung verwies sie auf erwartete Patentabläufe für das Familienunternehmen in den USA. Darüber hinaus würden die Arztbesuche von Pharmavertretern in den USA zukünftig beschränkt, so dass die Vertriebsstrukturen verändert werden müssten. Der Stellenabbau solle bis November abgeschlossen sein.
Im kommenden Jahr läuft das US-Patent des lukrativen Prostatamittels Flomax aus, mit dem Boehringer Ingelheim 2008 Umsätze von 1,075 Milliarden Euro erwirtschaftete. Flomax war das drittumsatzstärkste Präparat des Konzerns. Nach dem Patentverlust dürften die Amerikaner aber zunehmend zu billigeren Generika greifen. Kommt in den USA ein Nachahmermittel auf den Markt, verliert das Originalpräparat üblicherweise binnen weniger Wochen den Großteil seiner Umsätze. Der wegfallende Patentschutz für Flomax ist auch ein Grund, weshalb Boehringer Ingelheim für 2010 erstmals seit zehn Jahren eine Eintrübung seines Wachstum erwartet.
Die USA sind inzwischen der wichtigste Einzelmarkt für Boehringer Ingelheim. Mittlerweile erzielt der Konzern dort knapp 50 Prozent seiner Umsätze. Das Unternehmen mit Sitz in Ingelheim bei Mainz ist der weltweit größte Pharmakonzern, der vollständig im Familienbesitz ist.
© Thomson Reuters 2009 Alle Rechte vorbehalten.

