Erneute Razzia im Fall Porsche - Beschlagnahme in Privatwohnung

Dienstag, 1. September 2009, 19:55 Uhr
 

Stuttgart (Reuters) - Im Ermittlungsfall gegen hochrangige Porsche-Mitarbeiter hat die Staatsanwaltschaft bei der erneuten Durchsuchung einer Privatwohnung weiteres Material sichergestellt.

Die Durchsuchung habe bereits am vergangenen Freitag stattgefunden, sagte am Dienstag eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Die Behörde geht dem Verdacht der Marktmanipulation im Zusammenhang mit der gescheiterten VW-Übernahme durch Porsche nach. Zu den Beschuldigten zählen unter anderem der langjährige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und der ehemalige Finanzchef Holger Härter. Ein Porsche-Sprecher bestätigte in Stuttgart die abermalige Durchsuchung einer Privatwohnung durch die Staatsanwaltschaft.

Wie Reuters von zwei mit den Ermittlungen vertrauten Personen erfuhr, wurden die Privaträume eines Porsche-Mitarbeiters unterhalb des Vorstands durchsucht. Auf einem Computer sei belastendes Material gefunden worden. "Die Ermittler haben dort gefunden, wonach sie gesucht haben", sagte eine Person. Im Zuge der seit Wochen laufenden Ermittlungen, die am 20. August im Großraum Stuttgart sowie in Frankfurt zu Hausdurchsuchungen führten, hätten sich Hinweise auf das belastende Material im Besitz des Porsche-Mitarbeiters ergeben. Der Porsche-Beschäftigte gehöre seit Anbeginn zu den Beschuldigten, gegen die sich die Ermittlungen richteten.

Im Visier der Strafverfolger ist auch eine Frankfurter Bank, die für Porsche Wertpapiergeschäfte abwickelte. Die Ermittler gehen unter anderem dem Verdacht nach, dass Porsche börsenrelevante Insiderinformationen rechtswidrig weitergegeben haben könnte. Die Börsenaufsicht BaFin hatte Anzeige erstattet. Verstöße gegen das Wertpapierhandelsgesetz können mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren geahndet werden.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt in einem separaten Verfahren zusammen mit der Börsenaufsicht BaFin ebenfalls gegen Porsche wegen des Verdachts der Kursmanipulation. Zwei Rechtsanwälte hatten im Frühjahr Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gestellt. Die Strafverfolger prüfen, ob Porsche im Zusammenhang mit komplexen Optionsgeschäften auf VW-Aktien Rechtsverstöße begangen hat und ob Veröffentlichungs-Pflichten verletzt wurden.