Kreise - Manroland und HeidelDruck wollen Fusion voranbringen
München/Frankfurt (Reuters) - Nach monatelangen Verhandlungen wollen die kriselnden Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druck und Manroland Kreisen zufolge in Kürze die Bedingungen für eine Fusion festzurren.
In den nächsten vier bis sechs Wochen könnten die Gespräche zum Abschluss gebracht werden, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen am Freitag Reuters. Allerdings seien sich die Konkurrenten nicht einig, wer welchen Anteil eines wahrscheinlichen Stellenabbaus schultern müsse.
Einem Zusammenschluss des Branchenprimus Heidelberger mit seinem kleineren Konkurrenten Manroland müssten die EU-Wettbewerbshüter zustimmen. Hinter den Kulissen wachse die Zuversicht, dass die EU unter Auflagen grünes Licht für eine Fusion gebe werde, hieß es in Finanzkreisen. Beide Firmen litten derzeit stark unter der Rezession, was die Kartellbehörden üblicherweise wohlwollend berücksichtigten. Heidelberger Druck, Manroland und die EU-Kommission lehnten eine Stellungnahme ab.
Treibende Kraft hinter den Fusionsverhandlungen ist Kreisen zufolge die Allianz, die über ihre Beteiligungsfirma Allianz Capital Partners 65 Prozent an Manroland hält. Dem MAN-Konzern gehören noch 35 Prozent an seiner einstigen Drucksparte. Allianz ist zudem größerer Aktionär bei HeidelDruck und hält noch zwölf Prozent der Anteile.
Bei einer Zusammenlegung ließen sich Kosten einsparen. "Die Allianz will endlich das Wertpotenzial aus beiden Investments herausholen", sagte ein Banker. Allerdings sind die Sparten Bogendruck (Heidelberger Druck) und Rollendruck (Manroland) deutlich getrennte Märkte. Bei einer Zusammenlegung der beiden Unternehmen dürfte die Allianz zudem gezwungen sein, ein Übernahmeangebot für Heidelberger Druck abzugeben.
INTERNET BRINGT DRUCKER IN BEDRÄNGNIS
Die wachsende Bedeutung des Internets macht vielen Zeitungen zu schaffen. Der Buch-, Katalog- und Verpackungsdruck schrumpft zudem in Folge der Wirtschaftskrise. Daher zögern Druckereien seit geraumer Zeit mit dem Kauf neuer Druckmaschinen. Viele Kunden haben darüber hinaus Probleme, Kredite für neue Maschinen zu bekommen. HeidelDruck schreibt schon seit längerem rote Zahlen und will sich von rund einem Viertel der zuletzt 20.000 Mitarbeiter trennen. Nur mit Staatshilfe wurde im Frühjahr eine Insolvenz abgewendet.
Manroland, die Nummer zwei der Branche, kämpft ebenfalls mit Geschäftseinbrüchen. Die teure Restrukturierung dürfte den in Augsburg ansässigen Konzern im Halbjahr in die Verlustzone gerissen haben. Am Jahresanfang hat Manroland mit Stellenstreichungen begonnen. Nach dem Abbau von insgesamt 1075 Arbeitsplätzen soll die Zahl der Beschäftigten auf rund 7600 sinken. Weitere Werke will das Unternehmen aber nicht schließen. Eine Fusion von Manroland und Heideldruck dürfte einem früheren Medienbericht zufolge zum Verlust von insgesamt 2500 Arbeitsplätzen führen.
© Thomson Reuters 2012 Alle Rechte vorbehalten.

