WestLB-Chef stellt sich auf "eiskalten" Winter ein

Mittwoch, 9. September 2009, 16:09 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die WestLB stellt sich auf stark steigende Kreditrisiken in den nächsten Monaten ein.

"Ich gehe davon aus, dass wir wegen der Wirtschaftskrise einen eiskalten Winter bekommen, der Auswirkungen hat bis ins kommende Frühjahr", sagte der komissarische WestLB-Chef Dietrich Voigtländer am Mittwoch bei einer Branchenkonferenz in Frankfurt. Die Risikovorsorge für ausfallgefährdete Darlehen werde in den nächsten Quartalen weiter steigen. Bereits im ersten Halbjahr hatte die Bank für mögliche Kreditausfälle deutlich mehr zur Seite gelegt.

Voigtländer traute sich keine Ergebnisprognose für 2009 zu. Dafür sei der Geschäftsverlauf in den nächsten Monaten zu unsicher, sagte er. Von Januar bis Juni hatte die WestLB einen Gewinn vor Steuern von 302 Millionen Euro erwirtschaftet, aber nur dank der milliardenschweren Garantien ihrer Eigentümer, dem Land Nordrhein-Westfalen und den dortigen Sparkassen.

Der WestLB-Chef bekräftigte, dass er weiter eine Zusammenlegung der WestLB mit einer anderen Landesbank anstrebe. Durch die Auslagerung riskanter Papiere in eine vom Staat untersützte Auffanggesellschaft, eine sogenannte "Bad Bank", schaffe die Bank die Voraussetzung dafür. Bislang sind sämtliche Anläufe zu einer Fusion mit einem anderen Spitzeninstitut aus dem öffentlich-rechtlichen Bankenlager gescheitert. Voigtländer betonte, er sei aber zuverischtlich, dass es bald zu einer Konsolidierung unter den Landesbanken kommen könne. "Wenn man heiraten will, braucht man einen heiratswilligen Partner oder Eltern, die das unterstützen. Beides ist zur Zeit zwar noch nicht gegeben. Ich bin aber sicher, das wird sich ändern."

Die WestLB will risikobehaftete Portfolios mit einem Volumen von knapp 90 Milliarden Euro aus ihren Büchern nehmen. Dafür ist Voigtländer zufolge womöglich eine Kapitalerhöhung notwendig. Zur Höhe wollte er nichts sagen. Es werde am Ende einen Kompromiss zwischen Vorstand und Eigentümern geben.