Banken versilbern Arcandor-Beteiligung an Thomas Cook

Donnerstag, 10. September 2009, 17:17 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Thomas Cook ist nicht mehr Teil des insolventen Handelskonzerns Arcandor. Die Gläubigerbanken von Arcandor machten den größten Teil der an sie verpfändeten Beteiligung an dem deutsch-britischen Reisekonzern binnen weniger Stunden zu Geld und nahmen damit 1,03 Milliarden Euro ein. Die 43,9 Prozent der Anteile wurden zu 240 Pence bei institutionellen Investoren untergebracht.

Die Banken mussten damit nur geringe Abschläge zum Aktienkurs von Cook hinnehmen, der zuletzt stark gestiegen war. Am Donnerstag legte die Cook-Aktie um weitere vier Prozent auf 254,5 Pence zu.

Mit dem kompletten Aktienpaket hatte Arcandor einen einst 1,5 Milliarden Euro schweren Kredit besichert, von dem noch 940 Millionen Euro nicht zurückgezahlt sind. Die BayernLB, die Commerzbank und die Royal Bank of Scotland hatten im August beschlossen, die gut 376 Millionen Aktien zu verkaufen, nachdem Arcandor im Juni Insolvenz anmelden musste.

Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg kann aus dem Verkauf der Cook-Anteile nun mit einen hohen zweistelligen Millionenbetrag rechnen, der der Insolvenzmasse zugute kommt. "Wichtiger ist aber, dass damit andere Sicherheiten frei werden, die einen Verkauf von Karstadt erleichtern", sagte Görgs Sprecher.

Thomas Cook war der mit Abstand werthaltigste Teil von Arcandor und hatte jahrelang die schlechten Geschäftszahlen des Versandhändlers Quelle und der Karstadt-Kaufhauskette überdeckt. KarstadtQuelle hatte 2006 den 50-Prozent-Anteil der Lufthansaübernommen, Cook Anfang 2007 mit der britischen First Travel fusioniert und an die Londoner Börse gebracht. Nun nabelt sich Cook vollends ab. Der vor einer Woche als Arcandor-Chef zurückgetretene Karl-Gerhard Eick nahm am Mittwoch auch als Aufsichtsratschef von Thomas Cook seinen Hut.

NEUER ANLAUF BEI ANLEIHEGLÄUBIGERN

Nach Aussage von Analysten haben sich wohl vor allem Indexfonds mit den Aktien eingedeckt. Mit dem größeren Streubesitz verdoppele sich das Gewicht von Thomas Cook im Londoner Leitindex FTSE100. Die neuen Aktionäre gäben dem Management die Möglichkeit, wieder aktiv an der Konsolidierung der Branche teilzunehmen, sagte Simon French von Panmure. Bei der klammen Arcandor war das nicht mehr der Fall. Cook-Chef Manny Fontenla-Novoa hatte sich offen für eine breite Platzierung ausgesprochen. Mit der Entscheidung dafür war auch der deutsche Cook-Rivale Rewe mit seinen Marken Dertour, ITS und Jahn Reisen aus dem Rennen, der Interesse signalisiert hatte.

Größter Anteilseigner von Cook ist nun der französische Versicherer AXA mit 11,6 Prozent. Weitere 8,8 Prozent sind weiterhin bei der BayernLB geparkt. Mit ihnen ist eine Arcandor-Anleihe unterlegt, deren Eigentümer sich nicht über eine gemeinsame Verwertung einigen konnten. Derzeit versuche eine Anwaltskanzlei erneut, die Interessen unter einen Hut zu bekommen, hieß es in Finanzkreisen.