Bertelsmann-Patriarch Mohn tot -Von Ruinen zu Milliarden

Sonntag, 4. Oktober 2009, 13:30 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Bertelsmann-Patriarch Reinhard Mohn ist tot. Der Unternehmer starb am Samstag im Alter von 88 Jahren, wie Bertelsmann mitteilte.

Der Ur-Ur-Enkel von Firmengründer Carl Bertelsmann schmiedete aus dem westfälischen Mittelständler einen der weltweit größten Medienkonzerne mit mehr als 100.000 Beschäftigten in über 50 Ländern. Zu Bertelsmann gehören der Fernsehsender RTL und die Verlagsgruppe Gruner+Jahr, die unter anderem "Stern", "Geo" und die "Financial Times Deutschland" herausgibt. "Forbes" führt Mohn auf der Liste der Reichsten der Welt auf Platz 261 mit einem Nettovermögen von 2,5 Milliarden Dollar (1,7 Milliarden Euro). Unter den deutschen Milliardären belegt er zusammen mit seiner Familie "Forbes" zufolge Platz 21.

Als Mohn nach dem Krieg vor den Trümmern des Familienbetriebes stand, war sein Aufstieg zu einem der reichsten und einflussreichsten Deutschen nicht vorgezeichnet. 1947 übernahm der 1921 in Gütersloh geborene Verlagserbe nach amerikanischer Kriegsgefangenschaft und Beginn einer Buchhändlerlehre die Leitung der Firma, von der der Krieg kaum etwas übriggelassen hatte. Mohn, der ursprünglich Ingenieur werden wollte, räumte mit den wenigen verbliebenen Beschäftigten die Trümmer weg und begann mit dem Wiederaufbau des Druck- und Verlagshauses. Doch die Geschäfte liefen mau - bis er 1950 den Bertelsmann Buchclub erfand. Mit den Clubs legte Mohn den Grundstein für den Aufstieg der Firma zu einer der weltgrößten Mediengruppen. Die Umsätze nutzte er, um die Firma auszubauen - er investierte in Magazine, Musik, Film und Fernsehen.

1971 wandelte er das Familienunternehmen in eine AG um, 1977 gründete er die Bertelsmann Stiftung. 1981 schied Mohn mit seinem 60. Geburtstag aus dem Vorstand von Bertelsmann aus. Die Mehrheit des Aktienkapitals der Bertelsmann AG ließ er 1993 auf die Bertelsmann Stiftung übertragen, die heute mit 76,9 Prozent größter Aktionär des Medienunternehmens ist. 2006 stoppte Mohn den geplanten Börsengang von Bertelsmann, indem er einen Aktienrückkauf von der belgischen Holding GBL für 4,5 Milliarden Euro organisierte und dafür hohe Schulden in Kauf nahm.

MITTAGESSEN IN DER KANTINE

"Bertelsmann ist in tiefer Trauer um einen der größten Unternehmer unserer Zeit. Unser ganzes Mitgefühl gehört der Familie Reinhard Mohns, vor allem seiner Ehefrau Liz und seinen Kindern", erklärte Konzernchef Hartmut Ostrowski am Sonntag. "Wie kein anderer verkörpert er, was Bertelsmann ist: ein weltoffenes und den Mitarbeitern verpflichtetes Unternehmen." Seine Beschäftigten erlebten Mohn tatsächlich als uneitel - so aß er jeden Tag um 13.00 Uhr mit den Angestellten in der Kantine zu Mittag.

Mit seiner ersten Frau, die er 1949 heiratete, hatte Mohn drei Kinder. Seine zweite Frau Liz war 17, als sie bei einer Unternehmensveranstaltung 1958 seine Aufmerksamkeit auf sich zog. Mit ihr hat er ebenfalls drei Kinder, sie heirateten 1982. Heute ist Liz Mohn im Aufsichtsrat der Bertelsmann AG, Vize-Chefin der Bertelsmann-Stiftung und wird als mächtigste Person hinter den Kulissen des Konzerns betrachtet.