Versandhändler Quelle vor dem endgültigen Aus

Dienstag, 20. Oktober 2009, 15:41 Uhr
 

Nürnberg (Reuters) - Der einst größte deutsche Versandhändler Quelle ist nach 82 Jahren am Ende.

Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg erklärte die Suche nach einem Käufer für das defizitäre Deutschland-Geschäft von Quelle für gescheitert. "Nach intensiven Verhandlungen mit einer Vielzahl von Investoren sehen Insolvenzverwalter wie Gläubigerausschuss jetzt keine Alternative zur Abwicklung von Quelle Deutschland mehr", teilte Görg mit. Damit droht mindestens der Hälfte der 10.500 Mitarbeiter des Versandhandelskonzerns Primondo rund um Quelle die Arbeitslosigkeit. Auch Quelle-Geschäftspartner wie die Post oder die Katalogdrucker stehen vor harten Einschnitten.

Insolvenzverwalter, Banken, Politiker und Gewerkschaften wiesen sich am Dienstag gegenseitig die Verantwortung für das überraschend schnelle Aus zu. Noch vor dem Wochenende hatte Görg sich optimistisch gezeigt, Quelle bis Ende Oktober - rechtzeitig für die Planungen zum Frühjahr-Sommer-Katalog - an den Mann zu bringen. Er hatte den Universalversender zusammen mit hochprofitablen Spezialversendern wie "Baby Walz" oder "Hess Natur" und dem Verkaufssender HSE24 verkaufen wollen. Doch keiner der vier Interessenten - vor allem Finanzinvestoren wie die amerikanische TPG - wollte sich darauf einlassen - auch weil die verunsicherten Kunden seit der Insolvenz zögern, bei Quelle zu bestellen.

Dabei hatte sich Görg den Interessenten sogar zugestanden, alle 1450 Quelle-Shops zu schließen, von denen er eigentlich zwei Drittel erhalten wollte. Dort sammelt das 1927 von Gustav Schickedanz gegründete Unternehmen die Bestellungen und bietet ein kleineres Warensortiment an. Die Schließung der 109 Technik-Center, die sich nicht gegen Konkurrenten wie MediaMarkt oder Saturn behaupten konnten, hatte Görg schon vorher in die Wege geleitet.

Die potenziellen Bieter wollten auf das Internet setzen - was Quelle jahrelang versäumt hatte. Sie hoffen nun auf den Einzelverkauf der übrigen Teile von Primondo. Dabei ist auch der große Rivale Otto wieder im Spiel, der beim Deutschland-Geschäft abgewinkt hatte. "Für uns könnten Teile des Mittel- und Osteuropageschäfts oder Teile von Spezialversendern interessant sein", sagte ein Otto-Sprecher in Hamburg.

"HEULEN HILFT NICHT"

Görgs Sprecher sagte, die Schließung von Quelle Deutschland werde noch einmal 1500 Arbeitsplätze kosten. Wie viele indirekt zusätzlich betroffen seien, werde noch errechnet. 3700 Stellen hatte Görg bereits vorher gestrichen. "Für die Beschäftigten ist das ein Desaster", sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Margret Mönig-Raane. "Es ist vorbei, Heulen hilft nicht", sagte Quelle-Mitarbeiterin Marianne Thieg in Nürnberg zu Reuters. Görg kündigte in einer Betriebsversammlung einen Schlussverkauf mit Rabatten an.

Die Post, die 2005 große Teile des Versands für Quelle übernommen hatte, berät über Stellenstreichungen. Sie hatte für die 3000 Beschäftigten bei Karstadt und Quelle im Juli schon kürzere Kündigungsfristen vereinbart. Der Katalogdrucker Prinovis, der sich den Auftrag für den Quelle-Katalog mit Schlott teilt, erklärte, er habe vorsichtig genug geplant, um keine Arbeitsplätze abbauen zu müssen.

Experten hatten Quelle von vornherein kaum Überlebenschancen gegeben. Der Versandhandel sei nicht tot, sagte Marco Atzberger vom Forschungsinstitut EHI. "Die Probleme sind hausgemacht. Man hat das Internet nicht stark genug integriert und zu sehr auf den Katalog gesetzt." Otto habe den Sprung zum E-Commerce besser geschafft. Der Bundesverband des Deutschen Versandhandels erwartet in diesem Jahr ein Umsatzplus um zwei Prozent auf 20,1 Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte davon werde erstmals online abgewickelt.   Fortsetzung...