Abwrackprämien bewahren VW nicht vor Gewinneinbruch

Donnerstag, 29. Oktober 2009, 12:27 Uhr
 

Hamburg (Reuters) - Europas größter Autobauer Volkswagen hat im dritten Quartal trotz staatlicher Abwrackprämien einen herben Gewinnrückgang erlitten.

Das operative Ergebnis brach in den Monaten von Juli bis September um mehr als 80 Prozent auf 278 Millionen Euro ein, wie der Konzern am Donnerstag bekanntgab. Damit schlugen sich die Wolfsburger nach Meinung von Analysten aber erneut besser als die Konkurrenz, die zum Teil noch herbere Umsatz- und Absatzeinbrüche verschmerzen muss. Bei Volkswagen hielt sich der Umsatzrückgang mit zehn Prozent in Grenzen. "VW ist der absolute Krisengewinner", sagte Frank Schwope, Analyst der NordLB.

Von Reuters befragte Branchenexperten hatten mit einem Rückgang des Betriebsgewinns um gut 70 Prozent auf 415 Millionen Euro gerechnet. Dennoch legte die Stammaktie zunächst leicht zu, da VW an seinem Ausblick für das Gesamtjahr festhält. Der prozentuale Gewinnrückgang schrecke zwar auf den ersten Blick, sagte Christian Breitsprecher, Analyst bei Sal Oppenheim. Bei näherem Hinsehen sei dies aber "kein Desaster". Ein Grund für den Gewinnrückgang ist, dass VW wegen der in vielen Ländern gezahlten staatlichen Verkaufsanreize viel mehr kleinere Autos verkauft. Diese werfen aber weniger Gewinn ab als größere Fahrzeuge.

Für 2009 geht Volkswagen weiter davon aus, im Vergleich zum Gesamtmarkt besser abzuschneiden und in der Krise Marktanteile zu gewinnen. Der Umsatz werde wegen des schwächeren Absatzes unter dem des Vorjahres liegen. Steigende Refinanzierungskosten und ein größerer Anteil von kleineren Autos mit geringerer Marge belasteten das Ergebnis zusätzlich, hieß es.

WINTERKORN WARNT VOR VERFRÜHTEM OPTIMISMUS

"Der Volkswagen Konzern behauptet sich trotz aller Widrigkeiten ausgesprochen gut", erklärte Konzernchef Martin Winterkorn. Während der Weltmarkt um zwölf Prozent geschrumpft sei, habe Volkswagen den Absatz in den ersten neun Monaten stabil gehalten. "Wir haben erneut unter Beweis gestellt, dass wir unsere finanzielle Handlungsfähigkeit auch in der Krise behalten", ergänzte Finanzchef Hans Dieter Pötsch. Winterkorn warnte zugleich vor verfrühtem Optimismus. Das Geschäftsklima bleibe rau.

Die Produktion fuhr der Konzern auch im dritten Quartal um zwei Prozent zurück - und sorgte so dafür, dass die Lagerbestände bei um knapp neun Prozent gestiegenen Auslieferungen erneut sanken. Das machte sich in den Barmitteln bemerkbar, die sich im Automobilgeschäft binnen Jahresfrist um elf Prozent auf knapp 2,9 Milliarden Euro erhöhten. Die Nettoliquidität per Ende September bezifferte VW auf 13,4 Milliarden Euro, 5,4 Milliarden mehr als zu Jahresanfang. Damit sehen Analysten den Konzern finanziell gerüstet, um die schärfste Krise seit Jahrzehnten zu überstehen.

Volkswagen hatte kürzlich angekündigt, in einem ersten Schritt bis Ende des Jahres bereits knapp 50 Prozent und damit mehr als zunächst geplant an Porsche zu übernehmen. Für den Kauf will sich der Konzern einen unerwartet großen Kapitalrahmen schaffen und hat damit Spekulationen auf mögliche weitere Zukäufe genährt. Auf der Wunschliste des mächtigen VW-Aufsichtsratsvorsitzenden und Porsche-Miteigners Ferdinand Piech stehen unter anderem der Lkw-Bauer MAN und die japanische Kleinwagenmarke Suzuki.

 
<p>A Volkswagen logo hangs in a car showroom in Berlin, November 8, 2006. REUTERS/Hannibal Hanschke (GERMANY)</p>