Schweingrippe gibt Sanofi neuen Schub - Prognose erhöht

Freitag, 30. Oktober 2009, 15:41 Uhr
 

Paris (Reuters) - Das Geschäft mit Impfstoffen gegen die Schweinegrippe gibt dem französische Pharmariesen Sanofi-Aventis einen kräftigen Schub.

Der Arzneimittelhersteller erhöhte deswegen am Freitag in Paris seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr. Sanofi-Chef Chris Viehbacher erwartet, dass Impfstoffe gegen das Schweinegrippevirus H1N1 dem Unternehmen im vierten Quartal zusätzlich rund 500 Millionen Dollar an Umsätzen in die Kasse spülen wird. Sanofi deutete an, dass die Erlöse "mit einer ähnlichen Rate" auch bis ins Auftaktquartal 2010 anhalten könnten. Üblicherweise werden in diesen beiden Quartalen die größten Grippe-Impfstoffmengen ausgeliefert. An der Börse pendelte die Sanofi-Aktie um ihren Vortagesschlusskurs.

Im abgelaufenen dritten Quartal steigerte der Konzern den bereinigten Gewinn je Aktie um 16,3 Prozent auf 1,71 Euro. Analysten hatten hier lediglich 1,61 Euro erwartet. Das operative Ergebnis lag bei 2,955 Milliarden Euro - ein Plus von 11,9 Prozent. Der Quartalsumsatz verfehlte die Schätzungen dagegen knapp. Die Erlöse legten auf Jahressicht um acht Prozent auf 7,4 Milliarden Euro zu. Erwartet worden waren an der Börse 7,44 Milliarden Euro. Zuwächse verzeichnete das Geschäft mit Impfstoffen. Deutliche Umsatzsteigerungen verbuchte Sanofi darüber hinaus mit dem Insulin-Präparat Lantus und mit dem Medikament Lovenox gegen Thrombosen.

Der Pharmakonzern erwartet für das Gesamtjahr 2009 jetzt beim bereinigten Gewinn pro Aktie ein Wachstum von elf Prozent zu konstanten Wechselkursen. Bislang hatte Sanofi bei dieser Gewinnzahl ein Plus von rund zehn Prozent angepeilt. Auch andere Arzneimittelhersteller wie GlaxoSmithKline rechnen in den kommenden Monaten wegen der einsetzenden Impfkampagnen gegen die Schweinegrippe in vielen Ländern mit zusätzliche Einnahmen.

"Wir werden einen Recht großen Bonus an Umsätzen bei H1N1 und saisonaler Grippe sehen", sagte Sanofi-Chef Viehbacher in einer Telefonkonferenz. Unklar ist allerdings weiterhin, wie die Ausbreitung des H1N1-Virus weltweit voranschreitet und wie lange diese Entwicklung anhält. Viehbacher zufolge könnte der Erregerstamm ein Faktor bis April sein. "Darüber hinaus ist es schwierig zu sehen, ob die Pandemie anhalten wird", sagte der Manager. Sanofi wartet derzeit noch in Europa auf die Genehmigung für zwei Versionen seines H1N1-Grippeimpfstoffs. Auslieferungen in die USA begannen im September. Im abgelaufenen dritten Quartal verbuchte der Konzern 78 Millionen Euro an H1N1-bezogenen Umsätzen.

Die Zusatzeinahmen aufgrund der Schweinegrippe kommen für viele Pharmakonzerne zu einer Zeit, in der ältere Medikamente ihren Patentschutz verlieren und somit starker Konkurrenz durch Generika ausgesetzt sind. Auch Sanofi dürfte in den nächsten Jahren rund ein Fünftel seiner Umsätze verlieren, weil bei großen Blockbuster-Arzneien - das sind Präparate mit Milliardenumsätzen - der Patentschutz endet. So spürte Sanofi beispielsweise im dritten Quartal in den USA die Konkurrenz durch Generika bei seinem Krebs-Mittel Eloxatin. In Europa stand der Blutverdünner Plavix im Wettbewerb mit billigeren Kopien.