UBS bekommt Quittung für Finanzkrise und Steuerstreit

Dienstag, 3. November 2009, 15:35 Uhr
 

Zürich (Reuters) - Die Schweizer Großbank UBS hat im dritten Quartal die Quittung für die Finanzkrise und den Streit mit den USA über das Bankgeheimnis bekommen.

Zwar konnte das Geldhaus im dritten Quartal den Konzernverlust auf 564 Millionen Franken (375 Millionen Euro) mehr als halbieren und die Eigenkapitalausstattung weiter verbessern. Doch viele Kunden zogen Geld von ihren Schweizer Konten ab, so dass es der UBS nicht gelang, den Abfluss von Kundengeldern im Vermögensverwaltungsgeschäft nennenswert abzubremsen.

Die UBS habe die Erwartungen einmal mehr enttäuscht, kommentierten Händler den Quartalsbericht. Am Aktienmarkt stürzte die UBS-Aktie rund acht Prozent auf etwa 16 Franken ab.

Anders als bei den Konkurrenten Credit Suisse und Deutsche Bank war auch der Bereich Investmentbanking der UBS keine große Hilfe. Nach den Milliardenverlusten mit amerikanischen Ramschhypotheken kommt der neu aufgestellte Geschäftsbereich mit 16.000 Beschäftigten nur langsam in Fahrt. Die Sparte werde auch im vierten Quartal nur einen bescheidenen Beitrag liefern können, erklärte die UBS. Vielmehr wurde das Ergebnis von Sonderbelastungen über 2,1 Milliarden Franken gedrückt, die zu einem großen Teil in der Investmentbank zu Buche schlugen und dem Geschäftsbereich einen Vorsteuerverlust von 1,37 Milliarden Franken einbrockten.

Dagegen hatte die Credit Suisse rund 60 Prozent ihres 2,4 Milliarden Franken hohen Quartalsgewinns im Investmentbanking gemacht. Bei der Deutschen Bank kamen gar drei Viertel der 1,4 Millionen Euro Gewinn aus Geschäften an den Kapitalmärkten.

"IMAGEVERLUST WOHL GRÖSSER ALS BISHER ANGENOMMEN"

Nach Ansicht von Analysten enttäuschten vor allem die Ergebnisse in der Vermögensverwaltung. Private und institutionelle Kunden buchten netto 36 Milliarden Franken ab und damit etwas weniger als im zweiten Quartal. Aber im Wealth Management für vermögende Privatkunden war der Abfluss mit 16,7 Milliarden Franken ebenso hoch wie im zweiten Quartal und deutlich größer als Analysten geschätzt hatten. Von Schweizer Kunden flossen dabei 3,9 Milliarden ab gegenüber 0,2 Milliarden im Vorquartal. Selbst in Asien musste die Bank leichte Nettoabflüsse hinnehmen. Konkurrent Credit Suisse schaffte es dagegen, im gleichen Zeitraum 13 Milliarden Franken einzusammlen.

Auch wenn der Steuerstreit mit den USA im August mit einem Vergleich beigelegt wurde, haben die Schwierigkeiten in den USA und die anhaltenden Verluste die Reputation der UBS beschädigt. Der Imageverlust der Bank sei wohl größer als bisher angenommen, vor allem in Nordamerika, erklärte die Vontobel-Analystin Teresa Nielsen. Eine Trendwende bei der Neugeldentwicklung ist dürfte nach den Worten von Finanzchef John Cryan erst eintreten, wenn die Bank wieder Gewinne schreibt. Die Wende zu bewerkstelligen werde wohl mehr Anstrengung brauchen als bisher angenommen, erklärte der Helvea-Analyst Peter Thorne.

Immerhin stieg der operative Gewinn im dritten Quartal bei Ausklammerung der Sonderfaktoren auf 1,56 Milliarden von 971 Milliarden im Vorquartal. Zwar wird das vierte Quartal nach den Worten von Finanzchef Cryan noch einmal buchhalterische Sonderbelastungen bringen, die paradoxerweise davon herrühren, dass sich die Kreditwürdigkeit der Bank laufend verbessert und damit der Wert von Verbindlichkeiten steigt.

Aber 2010 sollten dann die von dem im Februar berufende UBS-Konzernchef Oswald Grübel eingeleiteten Kostensenkungen wirken. Nach Ansicht des Bankenanalysten Javier Lodeiro von Oppenheim Research könnte Grübel auf dem für den 17. November angesetzte Investorentag eine neue Strategie verkünden. Es sei nicht zu erwarten gewesen, dass Grübel nur zwei Wochen davor starke Zahlen vorlegen werde, argumentierte der Analyst.

 
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