HeidelCement setzt Hoffnungen auf Erholung ab 2010
Stuttgart (Reuters) - Nach kräftigem Schuldenabbau und massiven Stellenkürzungen setzt der Baustoffkonzern HeidelbergCement alle Hoffnungen auf eine Erholung der Weltkonjunktur im kommenden Jahr.
"Im laufenden Jahr wird sich operativ nicht mehr viel tun", sagte Konzernchef Bernd Scheifele am Mittwoch in Heidelberg. 2009 werde der Umsatz und der operative Gewinn wegen des weltweiten Einbruchs der Baukonjunktur schrumpfen. "Wir erwarten aber 2010 und vor allem 2011 wieder Wachstum." HeidelbergCement werde dann von geringeren Zinsausgaben und dem jüngsten Sparprogramm profitieren. Auch beim Anziehen der Nachfrage in Europa und Nordamerika benötige der 136 Jahre alte Konzern zunächst keine neuen Mitarbeiter, was das Ergebnis beflügeln werde.
An der Börse kam die Botschaft gut an: Die noch im Nebenwerte-Index MDax gelisteten Aktien von HeidelbergCement schnellten um mehr als sechs Prozent auf 42,99 Euro in die Höhe, obwohl der Konkurrent von Cemex aus Mexiko, Holcim aus der Schweiz und Lafarge aus Frankreich mit seinen jüngsten Geschäftszahlen die Erwartungen weitgehend verfehlte. "Alles in allem sind die Zahlen gemischt ausgefallen, entscheidend nach unserer Meinung ist aber die relative gute Entwicklung im operativen Geschäft", schrieb die DZ Bank.
Die Papiere von HeidelbergCement sind Anwärter für den Leitindex Dax, da sich der Streubesitz im Zuge einer Kapitalerhöhung deutlich erhöhte. Zuvor war der hochverschuldete Konzern von der Familie Merckle kontrolliert worden, die in Zahlungsschwierigkeiten steckt. Binnen Jahresfrist konnte HeidelbergCement die Verschuldung per Ende September drastisch um 3,3 Milliarden Euro auf 8,6 Milliarden Euro senken. Mit den Banken wurde zudem eine spätere Rückzahlung der Schulden vereinbart. Dies entlastet HeidelbergCement bei den Zinsausgaben, die im kommenden Jahr um 250 Millionen Euro geringer ausfallen sollen. Nach einer Erholung der Märkte seien auch bei dem geplanten Verkauf von Randbeteiligungen wieder bessere Preise erzielbar, hofft Konzernchef Scheifele.
Im dritten Quartal schlug der weltweite Konjunktureinbruch noch einmal deutlich negativ zu Buche. Der Umsatz sank in den Monaten Juli bis September deutlicher als von Analysten erwartet abermals um 22 Prozent auf 3,02 Milliarden Euro. Der Überschuss nach Anteilen Dritter halbierte sich binnen Jahresfrist auf 149 Millionen Euro. Das operative Ergebnis entwickelte sich mit 571 Millionen Euro (Vorjahr: 671 Millionen Euro) hingegen besser als von den Börsianern prognostiziert, da Vorstandschef Scheifele den Sparkurs nochmals verschärft hatte. Die eigentlich schon für die Sommermonate erwartete wirtschaftliche Erholung gehe hingegen nur zögerlich vonstatten, räumte der Konzernlenker ein. Bisher zögen die Geschäfte lediglich in den asiatischen Schwellenländern - vor allem in China - an.
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