Adidas wettet auf Trendwende im Fußball-WM-Jahr 2010

Mittwoch, 4. November 2009, 15:37 Uhr
 

München (Reuters) - Der Sportartikel-Hersteller Adidas schreibt das Krisenjahr 2009 ab und setzt seine Hoffnungen auf 2010.

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika, geringere Kosten sowie eine Trendwende bei der US-Problemtochter Reebok machen den Konzern aus dem fränkischen Herzogenaurach "vorsichtig optimistisch", wie Vorstandschef Herbert Hainer am Mittwoch sagte. Es werde Verbesserungen geben. Konkreter wollte das Management noch nicht werden. Analysten erwarten für 2010 im Schnitt einen Umsatzanstieg auf 10,9 Milliarden Euro. Zudem dürfte der Überschuss auf 526 Millionen Euro klettern, was in etwa einer Verdoppelung gegenüber 2009 entsprechen würde.

Die Fußball-WM, bei der Adidas unter anderem Deutschland und Europameister Spanien ausrüstet, werde schon im vierten Quartal positive Effekte haben, hieß es. Adidas will mit Fußball-Produkten 2010 einen neuen Umsatzrekord von deutlich über 1,3 Milliarden Euro aufstellen. Zudem tragen die Sparmaßnahmen - 1000 Stellen wurden gestrichen - finanzielle Früchte. Das für seine Marke mit den drei Streifen bekannte Unternehmen spare bereits über zehn Millionen Euro ein, so Finanzchef Robin Stalker. Ab 2010 sollen es dann jährlich mindestens 100 Millionen Euro sein. Reebok kam zudem aus den roten Zahlen heraus und wies für das dritte Quartal ein operatives Ergebnis von 17 Millionen Euro aus.

An der Börse setzte sich in einem freundlichen Gesamtmarkt der Optimismus durch: Adidas-Aktien stiegen um drei Prozent auf 33,62 Euro und waren einer der größten Gewinner im Leitindex Dax. Wegen der Konsumflaute fiel der Überschuss im dritten Quartal zwar um 30 Prozent auf 213 Millionen Euro, lag damit aber leicht über den Markterwartungen von 208 Millionen. Der Branchenzweite nach Marktführer Nike werde von einer Konjunkturerholung stark profitieren, urteilte DZ-Bank-Branchenexperte Herbert Sturm. In den nächsten Monaten sollte es primär gute Nachrichten geben. Positiv sei der Abbau der Lagerbestände.

Auch Nike hatte zuletzt bereits für gute Stimmung gesorgt. Der Konzern aus dem US-Bundesstaat Oregon hatte dank spürbarer Kostensenkungen erfolgreich der Konsumflaute Paroli geboten und den Gewinn im Zeitraum Juni bis August leicht auf 513 Millionen Dollar steigern können.

"STIMMUNG ZWISCHEN ANGST UND OPTIMISMUS"

Adidas-Chef Hainer sagte, das Schlimmste sei wohl vorbei, auch wenn es in Märkten wie den USA und China schwierig bleibe. Konsumenten und Händler hielten sich noch zurück. "Die Stimmung schwankt zwischen Angst und Optimismus." Das Weihnachtsgeschäft werde aber wohl besser als im Jahr zuvor. Die Pleite des Versandhändlers Quelle haben keine spürbare Auswirkungen.

Für das Gesamtjahr 2009 rechnet Hainer mittlerweile mit einem Nettogewinn von 230 bis 260 Millionen Euro. Dies enthalte einen kleinen Überschuss im vierten Quartal. Der Umsatz dürfte ohne Währungseffekte um einen niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentsatz fallen.

Im dritten Quartal sackten die Erlöse um sechs Prozent auf 2,88 Milliarden Euro ab. Die höchsten Einbußen gab es bei Reebok und der Golfsparte TaylorMade. Letztere ist besonders stark von der Wirtschaftskrise getroffen. Adidas senkte die Umsatzprognose für die Golftochter. Klare Rückgänge verzeichnete der Konzern auch in Europa, Asien und Nordamerika - nur Lateinamerika wuchs.

Adidas will den Verschuldungsgrad bis zum Jahresende auf unter 50 Prozent drücken. Derzeit liegen die Verbindlichkeiten bei 2,3 Milliarden Euro. Im dritten Quartal wurden sie um 299 Millionen Euro gesenkt.

 
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