Opelaner sagen GM Kampf an - Bund und Länder beraten
Rüsselsheim (Reuters) - Tausende Opel-Mitarbeiter haben am Donnerstag ihrem alten und neuen Mutterkonzern General Motors (GM) den Kampf angesagt.
Vor dem Stammwerk in Rüsselsheim protestierte die Belegschaft mit Pfiffen und Transparenten gegen den in letzter Minute abgesagten Verkauf an den Zulieferer Magna. "GM, hau ab" war auf einem Plakat zu lesen, "Wir drehen uns im Kreis ins Verderben" auf einem anderen. Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz, der sich massiv für einen neuen Eigentümer starkgemacht hatte, sprach von "Enttäuschung, Wut und Frustration", forderte die Mitarbeiter aber auf, Opel nicht zu verlassen. "Bleibt an Bord. Wir werden weiter existieren."
Der GM-Verwaltungsrat hatte am Dienstag überraschend den Verkauf von Opel an Magna abgeblasen. Stattdessen will der lange größte Autobauer der Welt die deutsche Tochter nun selbst sanieren, setzt dabei aber auf staatliche Hilfen. Das Konzept dafür soll nach den Worten von Konzernchef Fritz Henderson in Kürze vorgelegt werden.
Am Abend wollten Bund und Länder in Berlin über das weitere Vorgehen beraten. An dem Treffen sollten die Ministerpräsidenten der Opel-Länder Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen sowie Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und Kanzleramtschef Ronald Pofalla teilnehmen. Kanzlerin Angela Merkel habe mit US-Präsident Barack Obama eine enge Abstimmung über die Zukunft von Opel vereinbart, teilte die Regierung mit.
Ökonomen warnten vor staatlichen Zusagen: "Die Autobranche leidet weltweit unter Überkapazitäten", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann. "Es ergibt keinen Sinn, diesen Markt mit Gewalt zu subventionieren. Da werden nur Steuermilliarden verbrannt." DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann forderte, Opel dürfe nicht gegenüber Mittelstand und kleineren Unternehmen bevorzugt werden.
Die IG Metall lehnte gleichfalls eine staatliche Unterstützung der neuen Lösung ab. General Motors habe alle Zugeständnisse verspielt, sagte der Leiter des IG-Metallbezirks Frankfurt, Armin Schild, der "Welt" (Freitagausgabe). "Ich als Aufsichtsratsmitglied von Opel würde mich daher sogar gegen Staatshilfen für Opel aussprechen, solange der Autobauer eine hundertprozentige Tochter von GM ist."
"SCHON WIEDER DIE GLEICHEN SPRÜCHE"
Auch in den Werken in Bochum, Kaiserslautern und Eisenach legten die Opel-Beschäftigten zeitweise die Arbeit nieder und versammelten sich zu Kundgebungen. GM-Chefunterhändler John Smith hatte die Zukunft der Opel-Werke in Eisenach und Bochum wieder als offen bezeichnet. Magna wollte alle vier Fabriken in Deutschland erhalten.
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers sagte vor rund 2500 Opelanern in Bochum: "Wir werden kein Geld zur Verfügung stellen, wenn der Standort Bochum nicht gesichert bleibt. Der Kampf geht weiter. Sein hessischer Kollege Roland Koch kündigte in Rüsselsheim an: "Wir werden neu ringen müssen mit dem Ziel, die Arbeitsplätze zu erhalten." Insgesamt will GM aber mit rund 10.000 der 50.000 Mitarbeiter nicht mehr Stellen bei Opel und Vauxhall streichen als Magna. Fortsetzung...

