Indische Stahl-Familie will Escada zu Glanz verhelfen
München (Reuters) - Die einflussreiche indische Industriellenfamilie Mittal rettet den Luxusmode-Hersteller Escada vor dem Untergang.
Die 33-jährige Megha Mittal, Schwiegertochter des milliardenschweren Stahlbarons Lakshmi Mittal, kauft wesentliche Teile des insolventen Münchner Konzerns. Der Preis wurde nicht genannt. Mittal habe aber zugesagt, weitere finanzielle Mittel in Höhe von mehr als 30 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. "Es gibt damit eine tragfähige Grundlage", sagte Escada-Insolvenzverwalter Christian Gerloff am Freitag in München. "Es gibt die Chance, in altem Glanz zu strahlen."
Mittal, verheiratet mit Aditya Mittal, dem Finanzchef des ThyssenKrupp-Konkurrenten ArcelorMittal, will langfristig engagiert bleiben und mit dem bisherigen Management um Vorstandschef Bruno Sälzer kooperieren. Sie werde in den Aufsichtsrat einziehen und sich aktiv einbringen, hieß es in ihrem Umfeld. Mittal habe seit einem Jahr zahlreiche Modefirmen unter die Lupe genommen und wollte unbedingt in der Branche investieren.
Escadas Kollektionen galten seit langem als altbacken und verkaufen sich schlecht. Umsatzeinbußen und hohe Verluste waren die Folge. Sälzer wurde von Hugo Boss geholt, um eine Trendwende einzuleiten, was in der Wirtschaftskrise aber nicht gelang. Weil Veränderungen in der Branche Zeit brauchen, ging das Geld aus und Escada wurde insolvent.
Escada hat heute noch 2200 Mitarbeiter. Große Erfolge feierte der Konzern Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre unter der preisgekrönten Chefdesignerin Margaretha Ley. Damals dominierte das Haus die Szene mit farbenprächtigen und ausgefallenen Kleidern.
KLEIDER SOLLEN GÜNSTIGER WERDEN
Sälzer will Escada im breiteren Luxusmarkt und nicht mehr nur im allerteuersten Segment positionieren. Viele Kleider sollen 20 Prozent günstiger werden. Sälzer hat zudem das Design ändern lassen und versucht, mit anderen Stoffen und Farben zu punkten. Außerdem automatisiert er die Herstellung. Diese Strategie soll nun fortgesetzt werden. "Wir haben mit der Familie Mittal unseren Wunschpartner gefunden", sagte Sälzer. Andere Bieter wie das Konsortium um Sven Ley, Sohn des Escada-Gründers Wolfgang Ley, wollten den Vorstand vor die Tür setzen und den Italiener und früheren Gucci-Manager Giacomo Santucci einsetzen.
Sälzer betonte, Escada habe weiter hohe Umsatzeinbußen und müsse dringend effizienter werden. Die Mitarbeiterzahl sei zu hoch, harte Einschnitte solle es aber nicht geben. Weniger als zehn Prozent der Stellen würden wegfallen, erklärte er.
An die Familie Mittal gehen alle wesentlichen Teile des operativen Geschäftsbetriebs. Hinzu kommen die weltweiten Markenrechte, die Produktionsstätten und die Vertriebsstruktur. Zunächst nicht mitverkauft wurden die Töchter in den USA, Großbritannien, Hongkong sowie der deutsche Vertrieb. Hier gibt es Probleme mit den Gläubigern der Escada-Anleihe. Bis Ende 2009 solle aber eine Lösung gefunden werden, sagte Gerloff.
Da Mittal die Markenrechte besitze, sei hier nicht mit einem Bieterwettbewerb zu rechnen, hieß es weiter. Es müsse mit den Gläubigern eine Lösung gefunden werden, was Zeit brauche. Die Anleihe-Gläubiger hatten im Sommer bereits - anders als Aktionäre, Banken und Mitarbeiter - einen Beitrag zur Rettung Escadas abgelehnt, wodurch die Insolvenz unausweichlich wurde.
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