Kreise: E.ON vor Verkauf seines Höchstspannungsnetzes

Freitag, 6. November 2009, 17:08 Uhr
 

Düsseldorf/Frankfurt (Reuters) - Der Energiekonzern E.ON steht Branchenkreisen zufolge vor dem Verkauf seines deutschen Höchstspannungsnetzes.

Eine Entscheidung könnte schon in Kürze fallen, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Gespräche mit dem niederländischen Netzbetreiber Tennet sind weit fortgeschritten", sagte eine Person aus dem Umfeld der Unternehmen. Allerdings bemüht sich Kreisen zufolge auch ein Konsortium um die Deutsche Bank, Allianz und Goldman Sachs um das Netz, nachdem es bereits bei den Trassen von Vattenfall zum Zuge kommen soll. Der Preis für das E.ON-Netz könnte bei etwa einer Milliarde Euro liegen. Die Unternehmen lehnten allesamt eine Stellungnahme ab.

Durch einen Verkauf der Netze von Vattenfall und E.ON an verschiedene Investoren könnten die Pläne der Bundesregierung zur Gründung einer Netz AG noch schwieriger werden. Union und FDP haben sich im Koalitionsvertrag dafür ausgesprochen. Sie versprechen sich von der Trennung der Netze von der Produktion mehr Wettbewerb. Die Idee einer Netz AG trifft allerdings bei den beiden übrigen Betreibern der Höchstspannungsnetze - RWE und EnBW - auf klare Ablehnung.

GESPRÄCHE MIT KONSORTIUM NICHT SO WEIT WIE MIT TENNET

Es laufe derzeit auf einen Verkauf an Tennet hinaus, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen. Die Niederländer teilten lediglich mit, den Verkauf des E.ON-Netzes mit Interesse zu verfolgen, bestätigten aber keine Kaufabsichten. Tennet beschäftigt rund 600 Mitarbeiter und erzielte 2008 einen Umsatz von 450 Millionen Euro.

Eine endgültige Entscheidung ist den Kreisen zufolge noch nicht gefallen, so dass auch das Konsortium noch zum Zuge kommen könnte. "Es gibt Gespräche mit E.ON, denn man will natürlich nicht nur ein Netz", verlautete aus dem Umfeld des Konsortiums. Die Gespräche seien aber nicht so weit fortgeschritten wie die mit Vattenfall, zumal es bei E.ON auch die Konkurrenz von Tennet gebe. Zudem gebe es innerhalb des Konsortiums ein unterschiedlich starkes Interesse an dem E.ON-Netz. Das Konsortium will nach Angaben mehrerer mit der Situation vertrauter Personen das Vattenfall-Netz für rund 500 Millionen Euro übernehmen.

E.ON KÖNNTE KOMMENDE WOCHE KLARHEIT SCHAFFEN

Klarheit über den E.ON-Netzverkauf könnte es bereits in der kommenden Woche gebe. Der größte deutsche Versorger legt am Mittwoch seine Zahlen zum dritten Quartal vor. Es wird erwartet, dass sich der Konzern dann auch zu seinen Netzplänen äußert. E.ON hatte im vergangenen Jahr angekündigt, sein deutsches Höchstspannungsnetz zu verkaufen. Der Konzern wendete damit eine drohende EU-Kartellstrafe ab. Das E.ON-Netz ist mit einer Länge von 10.700 Kilometern größer als das von Vattenfall mit 9500 Kilometern. Für den Betrieb hat E.ON die Transpower Stromübertragungs GmbH gegründet. Das Unternehmen mit Sitz in Bayreuth beschäftigt rund 700 Mitarbeiter und erzielte 2008 einen Umsatz von rund sechs Milliarden Euro.