Daimler will Lkw-Bauer Fuso krisenfest machen

Donnerstag, 19. November 2009, 17:01 Uhr
 

Stuttgart (Reuters) - Der weltgrößte Nutzfahrzeughersteller Daimler will seine verlustbringende Tochter Mitsubishi Fuso krisensicher machen.

Nach jahrelanger Talfahrt muss der japanische Lkw- und Bus-Hersteller künftig mit einer deutlich gestutzten Produktion und weniger Beschäftigten über die Runden kommen. Der von Stuttgart nach Japan entsandte neue Fuso-Chef Albert Kirchmann will aber nicht nur sparen. Der Export soll angekurbelt werden, in Schwellenländern will Fuso künftig kostengünstiger produzieren lassen.

"Bei Verlusten bin ich äußerst unruhig", sagte Kirchmann am Mittwochabend in Stuttgart. Er wolle Fuso so schnell wie möglich wieder in die schwarzen Zahlen führen. Daimler gehören seit 2005 rund 85 Prozent an dem japanischen Konzern, 15 Prozent liegen in der Hand verschiedener Töchter von Mitsubishi. Fuso baut Lkw und Busse für Asien sowie afrikanische Märkte und kämpft wie Nissan Diesel, Hino und Isuzu seit Jahren mit dem schrumpfenden Absatz im Heimatland Japan. Im Zuge der Wirtschaftskrise beschleunigte sich die Talfahrt nochmals: 2009 wird Fuso voraussichtlich nur noch knapp 100.000 Fahrzeuge verkaufen, halb soviel wie 2008. Mitte der 90er Jahre wurden jährlich noch rund eine halbe Million Fahrzeuge ausgeliefert.

"Wir müssen uns auf eine längere Durststrecke einstellen", sagte Kirchmann, der vor gut einem halben Jahr nach Kawasaki versetzt wurde. "Die Märkte ziehen in sechs Monaten noch nicht wieder groß an." Auch bei den Schwestermarken Mercedes-Benz und Freightliner halbierten sich die Auslieferungen in Europa und Nordamerika. "Wir gehen aber davon aus, dass die Märkte global nicht noch weiter runtergehen", sagte der Lkw-Manager.

Um das Ruder bei Fuso herumzureißen, verordnete der Finanzfachmann dem 1932 gegründeten Unternehmen einen rigiden Sparkurs: 2300 der zuletzt gut 15.500 Beschäftigten scheiden aus, die Mitarbeiter bekommen seit Januar weniger Lohn. Das Händlernetz wird gestrafft, Busse baut Fuso künftig gemeinsam mit Nissan Diesel. Ein Montagewerk in Thailand wird geschlossen, die dortige Produktion wird nach Indonesien und Taiwan verlagert. Der rund 250 Millionen Euro teure Umbau soll ab 2011 die Kosten um 760 Millionen Euro senken. Nach dieser "Hungerkur" werde Fuso künftig bereits bei 100.000 bis 150.000 verkauften Lkw und Bussen Gewinne schreiben können, sagte Kirchmann. Er rechne in Zukunft mit einem Absatz von 150.000 Fahrzeugen.

Nach den ersten Sanierungsschritten soll nun der Verkauf in Schwellenländern angekurbelt werden. Vor allem in China und Indien sind Lkw, Busse und Pritschenwagen derzeit gefragt. China will Fuso von Taiwan aus beliefern. "Wir hoffen auf ein Handelsabkommen der beiden Länder", sagte Kirchmann. Ab kommendem Jahr "werden wir uns auch in Indien zeigen". Fuso stellt sich auf harte Konkurrenz ein, da die lokalen Wettbewerber ihre Fahrzeuge deutlich billiger anbieten können. Statt gefederter, bequemer Fahrersitze seien etwa Holzbänke in Indien noch weit verbreitet. Vom ersten Quartal 2010 an wird zudem der russische Nutzfahrzeughersteller Kamaz Bausätze des leichten Fuso-Lkw Canter in Russland montieren. Ziel sei, zunächst einige tausend Fahrzeuge pro Jahr abzusetzen.