Eigenkapitalpolster der Deutschen Bank reicht nicht für Postbank

Samstag, 13. März 2010, 16:47 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Das Eigenkapitalpolster der Deutschen Bank wird durch die Übernahme von Sal. Oppenheim, ABN-Amro-Filialen und erwartete Kapitalvorschriften weitgehend aufgezehrt.

Bei der angestrebten Übernahme der Postbank kann das Institut nicht auf die aktuellen Kernkapitalreserven zurückgreifen, wie Finanzvorstand Stefan Krause der "Börsen-Zeitung" (Samstagausgabe) sagte. "Wir haben immer gesagt, dass in unserer Kapitalplanung eine größere Akquisition wie zum Beispiel die Postbank nicht enthalten ist." Die Übernahmen und die erwartete Verschärfung von Eigenkapitalvorschriften hatten im Markt Spekulationen auf eine Kapitalerhöhung des größten deutschen Geldinstituts genährt.

Die Deutsche Bank wies für Ende 2009 eine Kernkapitalquote (Tier-1) von 12,6 Prozent aus, 2,6 Prozentpunkte mehr als angepeilt. "Im Vergleich mit unserer Zielmarke für die Tier-1-Quote von zehn Prozent verfügen wir über rund sieben Milliarden Euro an zusätzlichem Eigenkapital", erläuterte Krause in dem Interview. Eine Summe in dieser Höhe ist dem Manager zufolge aber bereits ohne die Postbank verplant: "Einschließlich unseres geplanten Wachstums müssen wir mit dieser Größenordnung rechnen." Die Postbank, an der die Deutsche Bank knapp 30 Prozent hält und deren Mehrheitsübernahme in den kommenden Jahren geplant ist, hatte zuletzt eine vergleichsweise geringe Kernkapitalquote von 7,6 Prozent ausgewiesen.

Die Übernahme der angeschlagenen Privatbank Sal. Oppenheim beansprucht Krause zufolge fast die Hälfte der Eigenkapitalreserve der Deutschen Bank: "Für Sal. Oppenheim können Sie von einem Kapitalbedarf in Höhe von mehr als drei Milliarden Euro ausgehen." Die Folgen der erwarteten Verschärfung von Regulierungsbestimmungen seien schwer zu kalkulieren. "Aber an einen mittleren einstelligen Milliardenbetrag muss man da sicher denken", sagte der Finanzchef. Ein geringerer Teil werde im Zuge der Übernahme von Teilen der angeschlagenen niederländischen Bank ABN Amro benötigt. "Für ABN Amro brauchen wir deutlich weniger als eine Milliarde Euro."

KÜNFTIG WIEDER HÖHERE DIVIDENDEN ANGEPEILT

Krause verwies darauf, dass der Bank in den kommenden Jahren allerdings zusätzliches Kapital durch die Ansammlung von Gewinnen zufließen solle. Für das vergangene Jahr will die Bank weniger als zehn Prozent des Milliardengewinns an die Aktionäre ausschütten. Die Bank hat eine Dividende von 75 Cent je Aktie eingeplant, vor der Finanzkrise hatte sie noch ein Mehrfaches betragen. Krause stellte eine Anhebung in den kommenden Jahren in Aussicht: "Wir hoffen, dass wir mit unserer Ausschüttung möglichst schnell wieder an die Zeit vor der Krise anknüpfen können, sobald die Eigenkapitalausstattung den künftigen neuen Anforderungen entspricht."

 
<p>Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am 28. Januar 2002. REUTERS/Kai Pfaffenbach</p>