Lufthansa plant bis 2012 Serientests mit Biotreibstoff

Sonntag, 9. Mai 2010, 16:14 Uhr
 

Hamburg (Reuters) - Lufthansa plant als eine der weltweit ersten Fluggesellschaften Serientests mit alternativen Treibstoffen.

Bereits innerhalb der nächsten zwei Jahre könnte die Airline regelmäßig Biotreibstoff einsetzen, sagte Firmenchef Wolfgang Mayrhuber am Samstag am Rande einer Veranstaltung in Hamburg. Auch andere Fluggesellschaften wie KLM testen die neuen Systeme bereits, bislang aber nur auf einzelnen Flügen.

Lufthansa wolle jedoch gleich mit einem Serientest starten, um die Ergebnisse über einen längeren Zeitraum hinweg gezielt auswerten zu können. Dabei könnte dem herkömmlichen Kerosin etwa auf einer bestimmten Strecke ein Anteil von Biokraftstoff beigemischt werden. "Erstens erhoffen wir uns davon Ressourcensicherheit und zweitens hoffen wir, dass wir dadurch bei den Ausgaben für den Emissionshandel Vorteile haben", sagte Mayrhuber. Bislang fliegen die Flugzeuge mit Kerosin, das aus Rohöl gewonnen wird. Die weltweiten Ölvorkommen sind jedoch begrenzt.

Die EU will Fluggesellschaften ab 2012 in den Handel mit Emissionsrechten miteinbeziehen. Je weniger normales Kerosin die Fluggesellschaften dann benutzen, umso weniger Emissions-Zertifikate für den Einsatz von herkömmlichen klimaschädlichen Kraftstoffen müssen sie kaufen. Lufthansa rechnet durch die Einbeziehung des Unternehmens in den Emissionshandel mit Zusatzkosten von 150 bis 350 Millionen Euro pro Jahr.

Den Serientest will Lufthansa zunächst in Eigenregie und nicht in Kooperation mit ihren Partnern der Star Alliance durchführen. Längerfristig wollten die Fluggesellschaften aber in dem Bündnis bei der Einführung von Biokraftstoffen zusammenarbeiten, sagte Mayrhuber. Auch der Allianzpartner Continental Airlines hat Mitte 2009 bereits einen einzelnen Testflug mit Biokraftstoff durchgeführt.

WERDEN FLUGTICKETS TEURER?

Fluggesellschaften arbeiten derzeit weltweit daran, ihren herkömmlichen Treibstoffen Biokraftstoffe wie etwa Biomasse beizumischen. Noch ist Biotreibstoff aber deutlich teurer als Kerosin, teilweise um das Zehnfache. Die Ticketpreise dürfte die sukzessive Einführung der alternativen Kraftstoffe nach Ansicht von Mayrhuber dennoch nicht nach oben treiben. "Wir haben keine Preismacht", sagte der Firmenchef. Die Flugpreise seien in den vergangenen Jahrzehnten durch den Start der Billigflieger deutlich nach unten gegangen.

 
<p>CEO of Germany's Deutsche Lufthansa Wolfgang Mayrhuber addresses a general meeting in Berlin, April 29, 2010. REUTERS/Tobias Schwarz</p>