Kreise: Deutsche Bank im Visier der US-Ermittler

Freitag, 14. Mai 2010, 07:29 Uhr
 

New York/Frankfurt (Reuters) - Die Deutsche Bank und andere internationale Finanzkonzerne sind Kreisen zufolge ins Visier der US-Ermittlungsbehörden geraten.

Der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo habe die Deutsche Bank und sieben weitere Institute aus den USA, der Schweiz und Frankreich vorgeladen, sagte eine mit der Situation vertraute Person am Donnerstag. Cuomos Behörde untersuche, ob die Banken Investoren und Ratingagenturen über die Bewertung von Hypothekentiteln in die Irre geführt hätten. Eine informierte Person sprach von vorläufigen Untersuchungen, die nicht notwendigerweise zu einer Anklage führen müssten.

In Frankfurt sagte ein Sprecher der Deutschen Bank, das Institut sei überzeugt, dass es sich stets korrekt verhalten habe und werde mit den Behörden zusammenarbeiten, um seine Position zu untermauern. Neben der größten deutschen Bank wurden in Kreisen auch Morgan Stanley, Goldman Sachs, die zur Bank of America gehörende Investmentbank Merrill Lynch, Citigroup, Credit Suisse, UBS und Credit Agricole als Gegenstand der Untersuchungen genannt. Verbriefungsgeschäfte mit Immobilienrisiken, wie sie in den vergangenen Jahren im großen Stil abgewickelt wurden, sind eine der wichtigsten Ursachen für die weltweite Bankenkrise.

GELDSTRAFE WEGEN LEERVERKÄUFEN

Am Donnerstag gab außerdem die Aufsichtsbehörde FINRA in New York bekannt, sie habe gegen Deutsche Bank Securities LLC ein Bußgeld von 575.000 Dollar (umgerechnet 460.000 Euro) wegen systematischer Regelverstöße im Zusammenhang mit Leerverkäufen verhängt. Die US-Wertpapiertochter der Deutschen Bank habe regelwidrig sogenannte ungedeckte Leerverkäufe ermöglicht. Bei dieser riskanten Handelsstrategie verkauft ein Marktteilnehmer Wertpapiere, die er nicht hat, ohne zu wissen, wo er sie sich leihen kann. Solche Transaktionen können Kursbewegungen an den Börsen beschleunigen und außer Kontrolle geraten lassen.

Dazu sagte der Deutsche-Bank-Sprecher, die Bank sei erfreut, dass diese Angelegenheit bereinigt sei, und habe geeignete Maßnahmen zur Vermeidung solcher Vorfälle ergriffen.

Aus Kreisen verlautete am Donnerstag zudem, US-Strafverfolger ermittelten gemeinsam mit der Börsenaufsicht SEC gegen die Deutsche Bank, JPMorgan Chase, Citigroup, UBS, Morgan Stanley und Goldman Sachs. Auch hier gehe es unter anderem um die Rolle der Banken im Handel mit Immobilienanleihen. Die Untersuchungen steckten aber ebenfalls noch in der Anfangsphase und müssten nicht zwingend bei allen Instituten zu Anklagen führen.

US-BANKEN SEIT LÄNGEREM IM FOKUS DER ERMITTLER

Die weltgrößte Investmentbank Goldman Sachs steht schon länger im Fadenkreuz der SEC, die Goldman wegen Betrugsverdachts angeklagt hat. Dabei geht es um verbriefte Hypothekenkredite (CDO), über die sie die Käufer falsch informiert haben soll. So soll das Institut gleichzeitig auf einen Kursverfall der Papiere gewettet haben.

Morgan Stanley musste sich zur Wochenmitte Spekulationen erwehren, wegen komplexer Wertpapiergeschäfte von den Behörden überprüft zu werden. Auslöser war ein Zeitungsbericht vom Dienstag: Demnach untersuchen Ermittler, ob die Bank Investoren mit verschachtelten Hypotheken-Papieren in die Irre geführt hat. "Wir haben keinerlei Kenntnis von irgendwelchen Ermittlungen des Justizministeriums", sagte Morgan-Stanley-Chef James Gorman auf einer Pressekonferenz in Tokio. Es gebe keinerlei Kontakte mit den Behörden wegen der in dem Artikel erwähnten Geschäfte. Sein Haus habe sich die fraglichen Geschäfte intern nochmals genau angeschaut. Die SEC lehnte einen Kommentar ab.

 
<p>The Deutsche Bank headquarters in Frankfurt are pictured April 28, 2010. REUTERS/Johannes Eisele</p>