Schaeffler bereitet Verschmelzung mit Conti vor

Montag, 28. Juni 2010, 19:10 Uhr
 

Hamburg (Reuters) - Der hoch verschuldete Automobilzulieferer Schaeffler trifft erste Vorbereitungen für ein Zusammengehen mit Continental.

Das fränkische Familienunternehmen brachte am Montag sein operatives Geschäft und die Beteiligung von 75 Prozent am ebenfalls schuldenbeladenen Rivalen Conti unter das Dach einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Bisher wurde der Konzern von einer Kommanditgesellschaft (KG) geführt - für Unternehmen dieser Größenordnung ungewöhnlich.

"Die Umstrukturierung in eine Kapitalgesellschaft ist für uns ein sehr bedeutsamer Schritt in Richtung Kapitalmarkt", sagte Maria-Elisabeth Schaeffler, der der Konzern zusammen mit ihrem Sohn Georg gehört. Mit dem Schritt bekommt das Unternehmen bessere Möglichkeiten zum Abbau seiner Schulden. Schaeffler sitzt seit dem Einstieg bei Conti auf etwa zwölf Milliarden Euro Schulden, der Reifenhersteller selbst ist nach dem Kauf der Siemens-Tochter VDO noch mit rund zehn Milliarden Euro verschuldet.

Mit der Umstrukturierung folgt Schaeffler auch dem Druck der Gläubigerbanken. "Das ist ein Meilenstein", sagte ein Insider aus dem Umfeld der Kreditgeber. Schaeffler habe die komplexen Forderungen zusammen mit den Unternehmensberatern von Roland Berger schnell umgesetzt.

Trotz der Schuldenlast sieht sich Schaeffler nicht unter Zeitdruck. "Wir sind ganz sauber durchfinanziert", sagte eine mit der Situation vertraute Person. Die beiden Kredite liefen noch viereinhalb und sechs Jahre. Damit bleibe ausreichend Zeit, um ein mögliches Zusammengehen mit Conti vorzubereiten. Einen konkreten Zeitpunkt dafür gebe es nicht. Unternehmensbeobachter gehen von einer Fusion im nächsten Jahr aus.

In Unternehmenskreisen wurde dem Vorwurf widersprochen, Schaeffler wolle im Zuge des Zusammengehens Schulden bei Conti abladen. Schaeffler unterstütze vielmehr die Bemühungen von Conti zur Refinanzierung seiner eigenen Schulden. Conti hatte Anfang des Jahres durch eine Kapitalerhöhung einen Teil eines 3,5-Milliarden-Euro-Kredits abgelöst, der im August fällig geworden wäre. Der Rest wurde bis 2012 verlängert. Nun laufen auf Druck der Banken Vorbereitungen für eine Hochzinsanleihe, mit der Conti Kredite ablösen und die Zeit bis zur Rückzahlung seiner Verbindlichkeiten strecken will.

METRO-CHEF CORDES IM SCHAEFFLER-AUFSICHTSRAT

Die Umwandlung in eine GmbH gilt als Zwischenschritt zu einer Verschmelzung. Später soll der Konzern den Kreisen zufolge in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Die Schaeffler GmbH fungiert als Management-Holding. Sie gehört zu 100 Prozent der Familie Schaeffler und hat einen Aufsichtsrat, der mit je zehn Vertretern des Kapitals und der Arbeitnehmerseite besetzt ist.

Für die Kapitalseite wurden als Vertreter der Eignerfamilie erwartungsgemäß Maria-Elisabeth und Georg Schaeffler benannt. Zudem ziehen Metro-Chef Eckhard Cordes, Adidas-Finanzchef Robin Stalker sowie Webasto-Chef Franz Josef Kortüm in das Gremium ein. Der frühere Schering-Chef Hubertus Erlen, Ex-VDA-Präsident Bernd Gottschalk und Ex-Bahn-Vorstand Otto Wiesheu sowie der Wisschenschaftler Hans-Jörg Bullinger und der frühere Bertelsmann-Finanzchef Siegfried Luther komplettieren die Kapitalseite. Die Arbeitnehmerbank bestimmt ihre Vertreter selbst.

 
<p>Maria-Elisabeth Schaeffler, owner of German company Schaeffler Group and member of the supervisory board of Germany's Continental AG, awaits the start of the annual shareholders meeting of Continental AG in Hannover April 28, 2010. REUTERS/Morris Mac Matzen</p>