WM-Euphorie bringt Adidas Geldregen - Aktionäre jubeln

Freitag, 23. Juli 2010, 15:37 Uhr
 

München (Reuters) - Die WM-Euphorie schlägt sich für Adidas in ungeahnten Verkaufserfolgen nieder.

Nach starken Zuwächsen im zweiten Quartal gehen Branchenexperten davon aus, dass der fränkische Sportartikel-Hersteller seine Geschäftsziele für dieses Jahr erneut nach oben schrauben wird. Diese Aussichten brachten am Freitag die Börsianer zum Jubeln. Adidas-Aktien stiegen um knapp drei Prozent auf 42,80 Euro und waren damit größter Dax-Gewinner. Die Anteilsscheine des Lokalrivalen Puma verteuerten sich um 1,5 Prozent auf über 232 Euro.

Wichtigster Erfolgsfaktor war für Adidas die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika, bei der die deutsche Mannschaft mit herzerfrischendem Spiel für eine Begeisterungswelle gesorgt hatte. Vorstandschef Herbert Hainer hatte bereits während des Turniers die Prognose für den Fußball-Umsatz auf mindestens 1,5 Milliarden Euro von zuvor deutlich über 1,3 Milliarden angehoben. Besonders die Trikots von Jogi Löws Team und des neuen Weltmeisters Spanien gingen weg wie warme Semmeln.

In diesem Jahr dürfte der Branchenzweite nach Marktführer Nike 1,2 Millionen Deutschland-Shirts und rund eine Million der spanischen Mannschaft verkaufen - deutlich mehr als geplant. Insgesamt liefen mit den drei Streifen von Adidas beim weltweit wichtigsten Sportereignis gleich zwölf Teams auf, darunter noch der Gastgeber sowie Argentinien und Mexiko. Die Zahl der verkauften Trikots aller Adidas-Teams soll ungefähr doppelt so hoch ausfallen wie bei der WM 2006 in Deutschland. Zudem sollen 2010 mehr als 20 Millionen Fußbälle abgesetzt werden, darunter 13 Millionen Mal der WM-Ball Jabulani. Der Adidas-Konzern war in Südafrika stärker präsent als die Konkurrenten Nike und Puma und profitiert außerdem von den Erfolgen der von ihm ausgerüsteten Mannschaften.

PROBLEMTOCHTER REEBOK KOMMT IN TRITT

Außerdem kommen Adidas Analysten zufolge neben Kostensenkungen und der wirtschaftlichen Erholung in weiten Teilen der Welt auch Fortschritte der US-Tochter Reebok zugute, die mit dem muskelaktivierenden Schuh "EasyTone" nach langer Durststrecke an frühere Erfolge anknüpft. Vor einem Jahr war Adidas von der Wirtschaftskrise voll erwischt und fast in die Verlustzone gedrückt worden. Damals hatte Reebok noch rote Zahlen geschrieben und Währungsschwankungen den Konzern massiv belastet.

Die deutliche Erholung zeigen die am Donnerstagabend mitgeteilten ersten Eckdaten zum zweiten Quartal, die klar über den Analystenerwartungen lagen. So stieg der Umsatz ohne Währungseffekte um elf Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Der Nettogewinn sprang auf 126 Millionen Euro von nur neun Millionen vor Jahresfrist. Details sollen am 4. August folgen.

Der für seine vorsichtigen Prognosen bekannte Konzern aus Herzogenaurach hatte seine Ziele bereits im Frühjahr nach oben korrigiert. Demnach erwartet das Management ein Umsatzplus im mittleren einstelligen Prozentbereich und einen Nettogewinn von 430 bis 480 Millionen Euro. Analysten halten dies mittlerweile für zu zurückhaltend. Eine höhere Gewinnprognose sei nun sehr wahrscheinlich, sagte Branchenexperte Tim Burkhardt von der Landesbank Baden-Württemberg am Freitag. Ähnlich äußerte sich die DZ Bank. Jörg Philipp Frey von der Privatbank MM Warburg rechnet mit einer Anhebung des Umsatzziels: Demnach dürfte Adidas bald ein währungsbereinigtes Plus um einen mittleren bis hohen einstelligen Prozentsatz in Aussicht stellen.

 
<p>Adidias logos are seen on the company's building in Landersheim near Strasbourg March 31, 2009. REUTERS/Christian Hartmann</p>