Aufschwung treibt Bahn-Gewinn trotz ICE-Problemen

Mittwoch, 28. Juli 2010, 13:42 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Trotz massiver Probleme mit ihren ICE-Zügen hat die Bahn wegen des Wirtschaftsaufschwungs Umsatz und Gewinn deutlich steigern können.

Im ersten Halbjahr 2010 legte das Betriebsergebnis um mehr als ein Viertel zu, teilte der Konzern am Mittwoch in Berlin mit. "Wir sind zurück auf Wachstumskurs", sagte Bahnchef Rüdiger Grube. Dabei profitierte die Bahn vor allem von wieder anziehenden Geschäften in der Logistik-Sparte mit der Güterbahn, die in der Krise besonders gelitten hatten. Sie machen mehr als die Hälfte des Umsatzes aus. Aber auch der Fernverkehr (IC und ICE) legte trotz Zugausfällen im Winter und der Achsprobleme zu. Zahlreiche Flug-Passagiere mussten wegen der Aschewolke auf die Bahn umsteigen. Der Konzern hob so seine Umsatzprognose für 2010 auf 32 Milliarden Euro an, ein Plus von zehn Prozent gegenüber 2009.

GRUBE KÜNDIGT QUALITÄTSOFFENSIVE AN

Zugleich kündigte Grube aber angesichts des Desasters mit den ICE-Klimaanlagen im Juli eine Qualitätsoffensive an. Die Ausfälle während der Hitzewelle mit kollabierten Passagieren seien ein herber Rückschlag im Bemühen gewesen, ein sympathischeres Unternehmen zu werden, räumte er ein. Es werde tiefgreifende Änderungen in der Bahn-Organisation geben. "Wir setzen hier voll auf Qualität." So sollten etwa die Kundeninformationen an Bahnhöfen verbessert und mehr Hilfen für Behinderte bereitgestellt werden. Zudem will sich die Bahn bereits im Vorfeld von Sommer und Winter besser auf extremere Witterungen vorbereiten. Im September will Grube weitere Einzelheiten des Programms nennen.

Während der Pressekonferenz übergaben zwei in Bademäntel gekleidete Männer dem Bahnchef ein goldenes Handtuch. Dies sei eine Auszeichnung für die beste Sauna-Idee des Jahres, sagten sie unter Anspielung auf die überhitzten ICE-Züge.

Grube gab zu, die Bahn habe im Fernverkehr zu wenig Reserven bei den Zügen. Allein die verschärften Wartungsvorschriften nach einem Achsbruch bei einem ICE im Kölner Hauptbahnhof reduzieren die Zahl der einsatzbereiten Züge deutlich.

Andererseits habe das Unternehmen gezeigt, dass es auch schnell auf neue Herausforderungen reagieren könne: So seien nach den Luftraum-Sperrungen wegen der Aschewolke die Passagierzahlen in den Zügen um 30 Prozent gestiegen. Dies trug mit dazu bei, dass der Fernverkehr ungeachtet von Zugausfällen im Winter ein Plus beim Betriebsergebnis von 40 Prozent verzeichnen konnte.

UMSATZ KLETTERT DANK AUFSCHWUNGS AUF 16,1 MRD EUR

Das Betriebsergebnis (Ebit) im Gesamtkonzern kletterte um 26 Prozent auf 846 Millionen Euro. Der Umsatz verbuchte ein Plus 12,8 Prozent auf 16,1 Milliarden Euro. Die Logistik-Sparte war dabei der Haupttreiber: In der See- und Luftfracht, wo Europas größter Verkehrskonzern zu den führenden Unternehmen weltweit gehört, könne schon im nächsten Jahr das Vorkrisenniveau von 2008 erreicht werden, sagte Grube.

Auch der lange krisengeschüttelte Schienengüterverkehr konnte sich erholen, wenngleich er als einzige größere Konzernsparte knapp in den roten Zahlen blieb. Die Transportmenge erhöhte sich um 40 Prozent, der Umsatz um knapp 20 Prozent.

Der Kauf des britischen Verkehrskonzerns Arriva soll Grube zufolge im August abgeschlossen werden. Aus Wettbewerbsgründen habe man der EU-Kommission den Verkauf der deutschen Zug- und Busaktivitäten Arrivas angeboten. Während ein Verkauf der Schienensparte als zwangsläufig gilt, hofft die Bahn allerdings noch, die Bus-Aktivitäten behalten zu können.

 
<p>Deutsche-Bahn-Chef R&uuml;diger Grube w&auml;hrend einer Bilanzpressekonferenz in Berlin am 28. Juli 2010. REUTERS/Fabrizio Bensch</p>