Deutsche Großbanken haben in Krise US-Hilfen bekommen

Donnerstag, 2. Dezember 2010, 16:03 Uhr
 

Washington/Frankfurt (Reuters) - Fast alle deutschen Großbanken haben auf dem Höhepunkt der Finanzkrise in den USA die Hilfe der US-Notenbank in Anspruch genommen.

Neben der Deutschen Bank, der Commerzbank und der DZ Bank hatten sich auch die Landesbanken Milliardensummen von der Federal Reserve geliehen, wie jüngste Daten der Zentralbank zeigen. Nach dem Kollaps von Lehman Brothers im September 2008 haben sich die Institute weltweit kaum mehr Geld geborgt. Daher mussten die Notenbanken rund um den Globus mit Notprogrammen die Liquiditätsversorgung sicherstellen. Dass deutsche Banken mit US-Niederlassungen dabei nicht nur bei der Europäischen Zentralbank, sondern auch bei der Fed angeklopft haben, war bislang aber nicht bekannt.

Aus dem Umfeld der meisten deutschen Häuser war zu hören, dass die Ende 2008 und Anfang 2009 aufgenommenen Gelder längst zurückgezahlt worden seien. Die Konditionen der Fed-Kredite seien im Vergleich zu den damaligen Marktpreisen unschlagbar gewesen, betonten Vertreter mehrerer Banken. Heute würden die Dutzenden Fed-Programme dagegen nicht mehr genutzt. Offiziell wollte sich zunächst nur die Commerzbank äußern. Das Finanzinstitut machte deutlich, dass die Anspruchnahme entsprechender Hilfen ein normaler Vorgang sei. "Die Beteiligungen an Geldmarkttransaktionen der Zentralbanken ist für Banken immer eine Option", sagte ein Sprecher am Donnerstag.

Die Fed hatte wegen der Finanzkrise die Zinsen auf nahe Null Prozent gesenkt und anschließend mehr als drei Billionen Dollar in das Finanzsystem gepumpt, um einen Kollaps zu verhindern. Unter anderem kaufte sie im großen Stil US-Staatsanleihen und andere Wertpapiere, um das Finanzsystem mit Geld zu fluten. Die Empfänger der Hilfen wollte die Notenbank lange Zeit nicht offenlegen, um eine Stigmatisierung der Firmen und einen neuerlichen Vertrauensverlust zu vermeiden. Die Politik verpflichtete die Fed allerdings in diesem Sommer per Gesetz zu einer größeren Transparenz.

Auch andere europäische Häuser wie Barclays, BNP Paribas und UBS griffen auf die Hilfen der Fed zurück. Hauptnutznießer der Programme waren naturgemäß die US-Banken. An erster Stelle stehen den Daten zufolge

Citigroup, Morgan Stanley und Merrill Lynch, die mittlerweile zur Bank of America gehört. Weit oben ist auch die weltgrößte Investmentbank Goldman Sachs zu finden, die wie die Deutsche Bank relativ gut durch die Krise gekommen ist und damals nach Aussage von Vorständen auch an den Märkten noch Geld bekommen hat. Zusammen haben die vier US-Häuser ein Drittel der Hilfen in Anspruch genommen. "Es sieht so aus, als ob die Investmentbanken das Geld in jedem Fall benötigt haben", sagte Lawrence Glazer vom Beratungshaus Mayflower Advisors.

Die Unterlagen zeigen zudem, dass auch Firmen außerhalb der Finanzindustrie die Fed-Programme zum Ankauf von Wertpapieren nutzten, um sich Liquidität zu beschaffen. Darunter sind bekannte Namen wie Harley-Davidson und McDonald's.

 
<p>The headquarters of Deutsche Bank AG are pictured in Frankfurt July 23, 2010. REUTERS/Ralph Orlowski</p>