Yahoo sucht Weg aus der Krise - Rückzug aus Japan?

Mittwoch, 2. März 2011, 14:29 Uhr
 

New York/Tokio (Reuters) - Der Internetpionier Yahoo richtet den Blick auf der Suche nach einem Weg aus seiner Krise auf Asien.

Unter dem Druck eines anhaltenden Umsatzrückgangs versucht der ehemalige Branchenprimus offenbar nun, sein Geschäft auf dem Kontinent neu zu ordnen. Gespräche über einen Rückzug vom japanischen Markt seien bereits weit fortgeschritten, sagten mit den Verhandlungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Ein Ende der Präsenz in Japan zieht voraussichtlich auch eine neue Geschäftsstruktur in China nach sich. Der Google-Rivale ist in den beiden führenden asiatischen Volkswirtschaften über Eck mit Partnern verbündet und müsste damit seine Strategie auch in der boomenden Volksrepublik neu ausrichten.

Den Kreisen zufolge sind nur noch wenige Wochen nötig, um eine Einigung für das Japan-Geschäft zu erzielen. Demnach würde Yahoo seinen gesamten Anteil von 35 Prozent an seinem dortigen Gemeinschaftsunternehmen Yahoo Japan abstoßen. Das Paket ist rund acht Milliarden Dollar wert und würde den finanziellen Spielraum für dringend benötigte Initiativen vergrößern. An der Börse wurde diese Aussicht am Mittwoch bereits mit Kurssprüngen belohnt: Die Yahoo-Aktie legte in Tokio 3,7 Prozent zu.

Kaufinteressent soll den Kreisen zufolge Yahoos Joint-Venture-Partner Softbank sein. Das Telekommunikations- und Investmentunternehmen hält bislang schon 42 Prozent an Yahoo Japan und hätte dann das Heft alleine in der Hand. Die Pläne fand an den Märkten aber zunächst wenig Anhänger: Die Softbank-Aktie gab an der Tokioter Börse 3,6 Prozent nach. Das Unternehmen erklärte in einer Stellungnahme, es rede nicht mit seinem US-Partner über einen Kauf und habe auch nicht die Absicht dazu.

Die Neuordnung des Asiengeschäfts gilt allerdings seit langem als eine der wenigen Möglichkeiten, Yahoo zumindest mehr Wasser unterm Kiel zu verschaffen. Konzernchefin Carol Bartz hat in ihrer nun bald zweijährigen Amtszeit vieles versucht - und wenig geerntet. Yahoo ist noch immer weltweit eine der populärsten Internet-Adressen. Dem Konzern gelingt es aber anders als Konkurrenten wie Marktführer Google nicht, aus dieser Position so richtig Geld zu machen. Mit seinen Angeboten hechelt er fast jeder neuen Entwicklung hinterher.

Bartz verordnete zunächst eine Konzentration auf mehr Inhalte, ließ Angebote für Web-Videos entwickeln und kaufte Unternehmen wie Associated Content, das freie Mitarbeiter kurze, billige Artikel über eine Vielzahl von Themen schreiben lässt. Auch im Anzeigengeschäft, in dem Google mit einer Idee nach der anderen Kunden gewinnt, kommt Yahoo trotz jüngster Anstrengungen nicht wirklich zum Zuge. Die kriselnde Sparte zeigt noch keine Anzeichen für eine Trendwende, und im Januar musste der Konzern einräumen, dass die Zahl der Besucher auf seinen Internetseiten das dritte Quartal in Folge gesunken ist.

Anders als in Industrie und Handel erfüllen sich für die Internet-Branche zudem bislang die in den Wachstumsmarkt China gesetzten Hoffnungen nicht. Die kommunistische Führung in Peking achtet aus politischen Gründen auf eine solch strenge inhaltliche und unternehmerische Kontrolle des Internets, dass für die Konzerne aus Übersee nicht viel übrig bleibt. Da geht es Google auch nicht besser als Yahoo.

Damit stellt sich auch für Yahoo die Frage, wie es hier weitergehen soll. Ein Rückzug aus Japan eröffnet in China Raum für Bewegung: Yahoo hält rund 40 Prozent an dem größten chinesischen Online-Händler Alibaba und der japanische Partner Softbank ist gleichfalls beteiligt. Wieviel der Yahoo-Anteil wert ist, ist schwer zu sagen. Expertenschätzungen reichen von vier bis zehn Milliarden Dollar, was bedeuten würde, dass bis zu 80 Prozent des Yahoo-Unternehmenswertes in Asien stecken würde. Alibaba-Gründer Jack Ma schlägt seit Wochen die Trommel dafür, Yahoo-Anteile zurückzukaufen. Softbank-Gründer Masayoshi Son kritisiert seit Monaten offen Yahoos Strategie auf den internationalen Märkten. Die Beziehungen sind also schlecht genug, um sie bei günstiger Gelegenheit zu beenden.

 
<p>A website of Yahoo Japan Corp is seen on a computer screen in Tokyo August 19, 2009. REUTERS/Stringer</p>