Neuer ICx soll Bahn-Fernflotte ab 2016 wetterfest machen

Samstag, 16. April 2011, 11:35 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Deutsche Bahn will ihre Fernflotte mit bis zu 300 neuen Zügen nahezu komplett erneuern und damit auch ihre Expansion ins Ausland vorantreiben. Sie verabschiedet sich aber mit den Triebzügen von dem Wettlauf um immer höhere Geschwindigkeiten. Die 130 Züge von Siemensder ersten Tranche sollen maximal 230 Stundenkilometern fahren, die nächsten höchstens 250, wie aus Bahn-Unterlagen für die Aufsichtsratssitzung am Donnerstag hervorgeht, die Reuters vorliegen. Die jetzigen ICE-3 erreichen über 300 Stundenkilometern, was aber wegen des immensen Energieverbrauchs als kaum noch wirtschaftlich gilt.

Bahnkunden werden die neuen Züge wegen der kompletten Neukonstruktion aber erst in fünf Jahren testen können. Ende 2016 sollen sie in den regulären Einsatz kommen. Insgesamt werden die Züge bis zu 200.000 Sitzplätze mit den Unterlagen zufolge hohem Komfort und großer Kniefreiheit bieten. Sonderbereiche soll es für die Familien und Radfahrer geben. Auch Bordrestaurants und Info-Schirme am Platz sind geplant.

GRÖSSTER AUFTRAG IN GESCHICHTE DER DEUTSCHEN BAHN

Der Zugauftrag ist der größte in der Geschichte der Deutschen Bahn und wird ein Volumen von deutlich über fünf Milliarden Euro haben. Die Verhandlungen mit Siemens hatten sich über ein Jahr hingezogen, vor allem weil sich die Bahn gegen technische Pannen absichern wollte, die es in vergangenen Jahren immer wieder gegeben hatte. Der Bahn-Aufsichtsrat will am Gründonnerstag den Auftrag absegnen. Der Vertrag soll bis Juni unterzeichnet sein.

Die Bahn sichert sich laut Unterlagen umfassend ab: Eine Anzahlung gibt es nicht, Siemens muss die Entwicklung also vorfinanzieren. Erst bei Bereitstellung eines Zuges zur Abnahme sind 60 Prozent des Kaufpreises fällig. Für die Achsen garantiert Siemens eine Laufleistung von vier Millionen Kilometern. Bei einem Riss oder Bruch muss Siemens beweisen, dass die Bahn verantwortlich ist. Ultraschall-Untersuchungen sollen alle 240.000 Kilometer ausreichen.

KLIMAANLAGEN VON MINUS 25 BIS PLUS 45 GRAD

Besonderen Wert legte die Bahn offenkundig auch auf die Wetterfestigkeit der Züge: Schneestürme und Platzregen sollen ebenso wenig stören wie Hitze. Die Klimaanlagen, die im Sommer 2010 reihenweise versagten, sollen bis 40 Grad einwandfrei arbeiten und ihren Dienst auch bei 45 Grad noch tun. Zudem gab es detaillierte Vorgaben auch bei den Toiletten, um das häufige Versagen künftig auszuschließen. Vor dem Start der Serienproduktion sollen zwei Monate lang zwei Triebzüge ohne Fahrgäste und ein Jahr mit Passagieren getestet werden.

Zunächst sollen die bald 40 Jahre alten IC bis 2020 ersetzt werden. Die ICx werden dabei bis zu 500 Menschen Platz bieten. Die nächste Tranche von 90 Zügen hat sogar 730 Plätze und tauscht ICE-1 und ICE-2 aus. Bis 2025 wird dies abgeschlossen sein. Auch hier sollen die ICx nicht mehr als 250 km/h fahren. Als letztes könnten im Rahmen des Vertrags die neueren ICE-3 von 80 sogenannten ICx verdrängt werden.

Bereits die IC-Nachfolger sollen auch in Österreich der Schweiz und den Niederlanden fahren können. Aber der zweiten Tranche können die Züge zudem für Frankreich, Italien, Polen und Tschechien eingesetzt werden. Bislang sind diese Länder weitgehend abgeschottet und können auch aus technischen Gründen von Konkurrenzbahnen anderer Länder kaum befahren werden.