Kartellamt rügt Banken wegen hoher Geldautomatengebühren

Samstag, 16. April 2011, 13:11 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Im Streit um überzogene Gebühren an Geldautomaten erhöht das Bundeskartellamt den Druck auf die Banken.

"Wir haben eine Befragung von mehr als 500 Kreditinstituten aus dem Sparkassen- und Genossenschaftssektor eingeleitet, um die Effekte aus der Einführung des direkten Kundenentgelts zu untersuchen", sagte ein Sprecher des Bundeskartellamtes der Tageszeitung "Die Welt" (Samstagausgabe). Die Behörde setzt dabei den Instituten, die von Kunden anderer Geldhäuser dem Bericht zufolge zum Teil immer noch bis zu zehn Euro pro Transaktion verlangen, ein Ultimatum von sechs Monaten. "Im nächsten halben Jahr wird sich das Bundeskartellamt monatlich einen Überblick über die Entwicklungen bei Geldautomatendienstleistungen verschaffen und im Anschluss daran über das weitere Vorgehen entscheiden", betonte der Sprecher. Damit verschärft die Behörde drei Monate nach Einführung der von der Branche selbst auferlegten Transparenzvorschriften den Ton.

Seit dem 15. Januar können Bankkunden direkt beim Abheben an Automaten fremder Institute die anfallenden Gebühren ablesen. Er kann dann selbst entscheiden, ob er zahlen will oder den Vorgang abbricht und zu einem anderen Automaten geht. Darauf haben sich Privatbanken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen nach monatelangem Streit geeinigt. Auf eine gemeinsame Obergrenze konnten sich die Institute dagegen nicht verständigen. Lediglich die Privatbanken, wie Deutsche Bank, Postbank und Commerzbank, einigten sich auf maximal 1,95 Euro.

Die Neuerung führte bei vielen Banken tatsächlich zu den erhofften Gebührensenkungen. Doch nach einer für die "Welt" erstellten Auswertung der ING Diba, gibt es weiterhin Geldhäuser, die fremden Kunden einen zweistelligen Euro-Betrag in Rechnung stellen. So mussten ING-Diba-Kunden in den vergangenen drei Wochen allein bei sechs Banken zehn Euro zahlen, schreibt das Blatt.

 
<p>A customer withdraws 500 Estonian kroon ($40) from an ATM in Tallinn July 13, 2010. REUTERS/Ints Kalnins</p>