Handyprimus Nokia unter Druck - Hoffnung auf Microsoft

Donnerstag, 21. April 2011, 18:06 Uhr
 

Helsinki (Reuters) - Der bedrängte Branchenprimus Nokia drückt bei seiner Smartphone-Partnerschaft mit Microsoft aufs Tempo.

In seinem Abwehrkampf gegen Apple brachte das finnische Unternehmen eine Vereinbarung mit dem amerikanischen Software-Riesen früher als geplant unter Dach und Fach. Smartphones mit Microsoft-Betriebsystem sollen das Ruder auf dem boomenden Markt der Alleskönner-Mobiltelefone herumreißen, auf dem Apple mit seinem Trendsetter-Handy iPhone den Takt vorgibt. Außerdem will Konzernchef Stephen Elop auf diesem Weg pro Jahr rund eine Milliarde Euro einsparen, wie Nokia am Donnerstag mitteilte.

Im Auftaktquartal fiel der Gewinnrückgang unerwartet glimpflich aus. Auch das GemeinschaftsunternehmenNokia Siemens Networks erzielte im ersten Vierteljahr überraschend einen Gewinn von drei Millionen Euro. Analysten hatten einen Verlust erwartet. Der Umsatz übertraf mit 3,17 Milliarden Euro ebenfalls die Prognosen. Nokia-Aktien stiegen um 2,3 Prozent. "Das erste Quartal war sehr stark, viel besser als erwartet", sagte Sami Sarkamies von Nordea. "Es sieht so aus, als ob sie die Lager unter Kontrolle hätten."

Die Finnen warnten allerdings vor sinkenden Renditen in der wichtigen Handy-Sparte. Der Nokia-Marktanteil verringerte sich im abgelaufenen ersten Quartal auf 29 Prozent nach 33 Prozent ein Jahr zuvor. Dabei hat der Branchenprimus gleich an zwei Fronten mit Angreifern zu kämpfen: Zum einen jagen ihm asiatische Konkurrenten Kunden in dem eigentlich finnisch dominierten Segment für günstigere Handys ab. Zum anderen setzt der traditionelle Mac-Computer- und iPod-Hersteller Apple - im Vergleich zu Nokia ein Newcomer im Handy-Geschäft - in der oberen Preisklasse den Siegeszug mit seinem iPhone fort. Gerade im abgelaufenen Quartal hat der reißende Absatz von iPhones dem US-Technologieriesen einen kräftigen Umsatz- und Gewinnsprung beschert.

MARKTFORSCHER: APPLE ÜBERRUNDET NOKIA BEIM HANDY-UMSATZ

Nokia liegt mit einem Absatz von 24,2 Millionen Smartphones noch vor Apple mit seinen 18,7 Milliarden verkauften iPhones. Der Nokia-Marktanteil bei den Smartphones lag damit bei 26 Prozent. Beim Handy-Gesamtumsatz hat Apple dem Marktforscher Strategy Analytics zufolge Nokia inzwischen überrundet: Im abgelaufenen Quartal steigerte der kalifornische Konzern seinen iPhone-Umsatz demnach auf 11,9 Milliarden Dollar, während Nokias Handy-Umsatz auf 9,4 Milliarden Dollar schrumpfte. Nokia geht unterdessen davon aus, dass die Folgen der Japan-Krise das Geschäft noch mindestens bis in den Herbst beeinträchtigen werden, während Apple nach eigenem Bekunden den langfristigeren Auswirkungen des Bebens gelassen entgegensieht.

Nach einem unerwartet glimpflich ausgegangenen Gewinnrückgang im Auftaktquartal warnte Nokia vor sinkenden Renditen in der wichtigen Handy-Sparte. In der Handy-Sparte rechnet das Unternehmen im Gesamtjahr nur noch mit sechs bis neun Prozent. Experten gingen von 8,5 Prozent aus. Damit versetzte Nokia der Erleichterung über die Geschäftszahlen von Januar bis März einen Dämpfer.

Im Auftaktquartal übertraf Nokia mit 9,8 Prozent noch die Erwartungen der Analysten, die eine Rendite von 8,6 Prozent prognostiziert hatten. Die Experten waren auch bei Gewinn und Umsatz pessimistischer: Zwar sank der Gewinn je Aktie auf 13 Cent nach 14 Cent vor einem Jahr, doch der Markt hatte sich auf nur noch zehn Cent eingestellt. Der Umsatz belief sich auf 10,4 Milliarden Euro, erwartet wurden 10,1 Milliarden Euro.

Nokias Rendite-Prognose zeige, dass dem Unternehmen mit dem Umbau des Produktportfolios schwere Zeiten bevorstehen, sagte CCS-Insight-Analyst Geoff Blaber. Nach Unterzeichnung der Vereinbarung mit Microsoft könne sich Nokia jetzt aber ganz auf die Umsetzung der Partnerschaft konzentrieren. Nokia und Microsoft hatten in ihrem zunehmend verzweifelten Kampf gegen die Übermacht von Apples iPhone schon im Februar angekündigt, ihre Kräfte zu bündeln. Windows Phone 7 soll künftig auf Nokia-Smartphones laufen, die bisher nur mit dem Nokia-Betriebssystem gesteuert wurden. Microsoft teilte am Donnerstag mit, bei der Entwicklung von Nokia-Produkten mit Microsoft-Programmen seien große Fortschritte erzielt worden.

 
<p>A corporate logo is displayed at the Nokia flagship store in Helsinki September 29, 2010. Picture taken September 29. REUTERS/Bob Strong</p>