AirAsia beschert Airbus Rekordauftrag - Tanzen half

Donnerstag, 23. Juni 2011, 17:52 Uhr
 

Le Bourget (Reuters) - Der europäische Flugzeugbauer Airbus hat den größten Einzelauftrag in der Luftfahrt-Geschichte eingeheimst.

Malaysias Billig-Fluglinie AirAsia kaufte am Donnerstag auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget 200 Maschinen der modernisierten, spritsparenderen A320neo mit einem Listenpreis von gut 18 Milliarden Dollar. AirAsia stellte damit nicht nur den erst am Mittwoch von IndiGo aufgestellten Rekord in den Schatten, als die Inder 180 Flugzeuge - darunter 150 A320neo - für 16 Milliarden Dollar orderten. AirAsia wird zudem größter Einzel-Kunde von Airbus. Nur die Leasing-Giganten ILFCund GECAS bestellten noch mehr Flugzeuge. Die Mega-Aufträge unterstreichen, dass sich das Rennen zwischen Airbus und seinem US-Konkurrenten Boeing auf das wachstumsstarke Asien konzentriert. Die Region bescherte der Luftfahrtbranche bereits im vergangenen Jahr einen Aufschwung.

"Die neo hat nicht nur bessere Triebwerke, sondern wurde in vielen Punkten verbessert", sagte AirAsia-Chef und Formel-1-Manager Tony Fernandes bei der Vertragsunterzeichnung. Beide Seiten waren über den Deal so euphorisch, dass sie sogar einen seltenen Einblick in die Verhandlungen gaben: Bei Gesprächen in einem Club in Paris zu Beginn des Jahres forderte Fernandes Airbus-Verkaufschef John Leahy zum Tanz auf. "John sagte, ich tanze nicht. Gut, sagte ich, dann unterschreibe ich nicht", erzählte Fernandes. Daraufhin habe Airbus-Chef Enders sanften Druck ausgeübt und Leahy schließlich doch getanzt.

"HABE NEO-NACHFRAGE DEUTLICH UNTERSCHÄTZT"

Boeing gerät zunehmend ins Hintertreffen. Airbus hatte seinen Verkaufsschlager A320 erst im Dezember zum "Spritsparer" aufgepeppt. Mit aerodynamisch optimierten "Sharklets" an den Flügelenden sollen die neuen Modelle - die A320-Familie umfasst insgesamt vier Versionen - 15 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen. Auf der alle zwei Jahre stattfindenden Luftfahrtschau in Le Bourget bei Paris schlug das neue Modell voll ein. Das überraschte selbst Airbus-Chef Tom Enders: "Mit über 1000 Bestellungen innerhalb eines halben Jahres nach Markteinführung ist unsere A320neo ein richtiger Bestseller. Ich muss zugeben, dass ich die Nachfrage für die Neo vor dieser Show deutlich unterschätzt habe." Allein in Le Bourget wurden 667 Maschinen des Typs im Wert von 61 Milliarden Dollar in Auftrag gegeben. Insgesamt strich Airbus Festbestellungen oder Kaufabsichtserklärungen über 730 Jets im Wert von 72 Milliarden Dollar ein.

Damit hat Airbus im traditionellen Zweikampf mit seinem US-Konkurrenten Boeing auf dem Branchentreffen deutlich die Nase vorn. Boeing erhielt bislang lediglich Aufträge für 141 Flugzeuge für insgesamt 22,4 Milliarden Dollar. Zudem setzen die Europäer mit A320neo den US-Konzern mit seinem Konkurrenzmodell 737 unter Druck. Boeing will bis Ende 2011 entscheiden, ob er seinen Verkaufsschlager ebenfalls modernisiert oder sich länger Zeit lässt, um ein komplett neues Flugzeug zu entwickeln. Das Unternehmen räumte diese Woche bereits ein, dadurch Kunden an Airbus verlieren zu können. Sollte dies passieren, so sind sich Analysten einig, ist Boeing erst recht zum Handeln gezwungen.

 
<p>The Airbus A380, which was damaged last Sunday and repaired on Tuesday in Toulouse, takes part in a flying display during the 49th Paris Air Show at the Le Bourget airport near Paris June 22, 2011. REUTERS/Pascal Rossignol</p>