Teures Öl beschert Exxon und Shell kräftige Gewinne

Donnerstag, 28. Juli 2011, 16:12 Uhr
 

Houston/London (Reuters) - Der hohe Ölpreis hat den Ölmultis Exxon Mobil und Royal Dutch Shell kräftig Geld in die Kassen gespült.

Der Rohstoff hat sich binnen eines Jahres um rund 30 Prozent verteuert und die Erholung der Konjunktur ließ den Bedarf vor allem in Schwellenländern wie China anziehen. Die Preisaufschläge machten zumindest in Teilen wieder wett, dass viele Ölfelder im Westen fast ausgeschöpft sind und die Fördermengen deswegen zurückgehen.

Investoren achteten zuletzt verstärkt darauf, wie sich westliche Ölfirmen auf diese Entwicklung einstellen. Sie sind von den großen Vorkommen in Russland und Saudi Arabien ausgeschlossen. Exxon oder Shell nehmen deshalb Milliarden in die Hand, um Alternativen zu erschließen.

Bei Shell scheint sich das allmählich auszuzahlen. Der Nettogewinn kletterte im zweiten Quartal um 77 Prozent auf acht Milliarden Dollar. Wegen des Verkaufs von Ölfeldern und des warmen Winters, der zu einer geringeren Nachfrage nach Gas in Europa führte, sank die Produktion um zwei Prozent auf 3,05 Millionen Barrel Öläquivalente pro Tag. Bereinigt um die Verkäufe legte die Produktion jedoch um zwei Prozent zu.

"Das war ein solides Ergebnis", hieß es in einer Studie von Bernstein. Die Analysten gehen davon aus, dass Shell Produktion und die Profitabilität steigern kann. Die Aktie gab dennoch 0,8 Prozent und damit im Trend des Londoner Marktes nach. Bei Exxon war die Enttäuschung der Börsianer größer: Die Papiere fielen an der Wall Street zwei Prozent, obwohl der Markt leicht zulegte. Zwar steigerte das weltweit größte börsennotierte Öl-Unternehmen im zweiten Quartal das Nettoergebnis um 41 Prozent auf 10,7 Milliarden Dollar oder 2,18 Dollar je Anteilsschein. Experten hatten jedoch 2,33 Dollar je Aktie erwartet. Besonders vom Bereich Downstream - also der Vermarktung von Kraftstoffen, Schmierstoffen und Ölen - zeigten sie sich enttäuscht. "Das ist der Schuldige", sagte Pavel Molchanov, von Raymond James. Dabei hatte der Konzern gerade hier eine Verbesserung hervorgehoben.

Der spanische Rivale Repsol spürt den Produktionsausfall in Libyen und beim norwegischen Konzern Statoil machen sich Schwierigkeiten beim Anlaufen der Produktion im Golf von Mexiko nach der Ölpest im vergangenen Jahr und die geringere Gasförderung bemerkbar.

Statoil und Repsol konnten die Produktionsausfälle von 14 beziehungsweise 13 Prozent nicht durch den höheren Ölpreis auffangen. Beide Unternehmen sind stärker im Gasgeschäft engagiert als die beiden Branchengrößen. Bei Gas blieb ein Preisschub trotz einer Erholung der Nachfrage bislang aber aus. Repsol wurde im abgelaufenen Vierteljahr zudem nicht nur durch den Verlust der Ölförderung in dem von einem Bürgerkrieg erschütterten Libyen belastet, sondern auch von Streiks in Argentinien.

Noch mit den Folgen der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko vor einem Jahr kämpft BP. Der Konzern schaffte im zweiten Quartal zwar die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Anleger vermissen aber eine Strategie für die Sicherung künftiger Geschäfte.