Freenet poliert Prognose auf - Aktie schnellt nach oben

Mittwoch, 10. August 2011, 18:44 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Mobilfunkfirma Freenet kommt nach einem langwierigen Konzernumbau schneller auf die Beine als gedacht.

Vor einem halben Jahr hatte der Vorstand noch eine längere Talfahrt ankündigt - doch nun schraubt er überraschend die Prognose hoch. An der Börse löste das ein Kursfeuerwerk aus: Die Aktie stieg am Mittwoch um zeitweise 18 Prozent.

Für das laufende Jahr rechnet Freenet nun mit einem Betriebsgewinn von 350 Millionen Euro - bislang waren 325 Millionen Euro in Aussicht gestellt worden. Dafür sei eine ganze Reihe von Gründen verantwortlich, erläuterte Freenet-Chef Christoph Vilanek im Interview mit Reuters. Wichtigster Punkt: Freenet konzentriere sich darauf, lukrative Vieltelefonierer als Kunden zu halten. Dank der neuen Strategie könnten ruinöse Rabattschlachten vermieden werden. Und eine neue einheitliche Software sorge dafür, dass der Verkauf von Handys und Tarifen unter den verschiedenen Freenet-Marken (Mobilcom-Debitel, Klarmobil) besser laufe. "Wir haben deshalb niedrigere Kosten, um neue Kunden zu gewinnen", betonte er. Das Minus an Vertragskunden dürfte in diesem Jahr bei nunmehr 450.000 statt einer halben Millionen liegen. Insgesamt standen Ende Juni 15,2 Millionen Handy-Nutzer in der Freenet-Kartei.

Die Geschäfts-Talfahrt konnte Freenet im zweiten Quartal nicht aufhalten. Der Betriebsgewinn ging um sechs Prozent auf 90 Millionen Euro zurück, der Umsatz sank um neun Prozent auf 756 Millionen Euro.

An seinen Dividendenversprechen rüttelt Vilanek nicht. Für dieses Jahr winken den Aktionären wie in 2010 je Aktie 80 Cent. "Die werden es auf jeden Fall", sagte der Freenet-Chef.

Gegenüber einer Fusion mit dem kleineren Rivalen Drillisch zeigte sich der Österreicher weiter aufgeschlossen: "Das könnte Sinn machen." Die Geschäftsmodelle der beiden Firmen ergänzten sich, da Drillisch vor allem im Billigsegment unterwegs sei. Eilig habe er es aber nicht mit der Fusion. "Das ist etwas, was wir irgendwann prüfen werden", sagte Vilanek. Drillisch hatte seinen Freenet-Anteil in den vergangenen Monaten auf 22 Prozent aufgestockt und zwei Aufsichtsräte nach Frankfurt entsandt.

Freenet und Drillisch gehören zu den letzten Mobilfunk-Service-Providern in Deutschland. Die Beiden kaufen den vier deutschen Netzbetreibern Deutsche Telekom, Vodafone, O2 und E-Plus Telefonminuten und Datenpakete in großem Stil ab und vermarkten diese unter eigenen Marken.

 
<p>A worker makes final touches on an advertising poster for VoIP wireless LAN internet mobile phone by German internet provider freenet in Hanover. REUTERS/Fabrizio Bensch</p>