Britische Regierung will Banken enge Fesseln anlegen

Montag, 12. September 2011, 13:23 Uhr
 

London (Reuters) - Britischen Banken sollen nach der Finanzkrise so enge Fesseln angelegt werden wie in kaum einem anderen Land.

Finanzminister George Osborne stellte sich am Montag hinter die Empfehlungen einer von der Regierung beauftragten Expertenkommission. Sie schlägt in ihrem Abschlussbericht einen "Schutzschild" um die Spareinlagen vor, um das Privatkundengeschäft vom riskanteren Investmentbanking abzuschirmen. Zudem sollen die Institute mehr Kapital vorhalten als Banken in den meisten anderen Ländern.

Nach Schätzungen der Experten um den früheren Notenbanker John Vickers wird das die Branche im Jahr vor Steuern vier bis sieben Milliarden Pfund kosten. Mit der Royal Bank of Scotland (RBS) und Lloyds hatten zwei der vier britischen Großbanken in der Krise vom Staat gerettet werden müssen.

Die Institute sollen ihr inländisches Privatkundengeschäft ab 2019 mit mindestens zehn Prozent hartem Kernkapital - Grundkapital und Gewinnrücklagen - unterlegen. Insgesamt sollen sie 17 bis 20 Prozent Eigenkapital vorhalten, mit dem Verluste aufgefangen werden können. So weit geht bisher nur die Schweiz, die stark vom Wohl und Wehe der beiden Großbanken UBS und Credit Suisse abhängt. Weltweit geben die Aufseher künftig sieben Prozent hartes Kernkapital vor, für systemrelevante Banken sollen es bis zu 9,5 Prozent werden.

"Die Banken sind ein wesentlich wichtigerer Bestandteil der britischen Wirtschaft als in anderen Ländern", sagte Fondsmanager David Miller von Cheviot Asset Management. Deshalb müsse man behutsam vorgehen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit nicht zu beeinträchtigen. Die Finanzbranche macht zehn Prozent der britischen Wirtschaft aus. Die Bilanzsumme der Banken ist vier Mal so groß wie das britische Bruttoinlandsprodukt.

Die Regierung in London erklärte, das vorgeschlagene Maßnahmenpaket stütze die Konjunktur, ohne die Steuerzahler zu belasten. Der Staat sitzt seit der Finanzkrise noch auf 83 Prozent an der RBS und auf 41 Prozent an Lloyds. Schatzkanzler Osborne sagte, alle Maßnahmen sollten bis Ende des Jahrzehnts umgesetzt sein. Zunächst gehe es darum, die erforderlichen Gesetze durch das Parlament zu bekommen.

KEIN ALLHEILMITTEL

Nach den Vorschlägen dürfen die Banken ihre Mittel aus dem Geschäft mit privaten und mittelständischen Firmenkunden nur noch in begrenztem Ausmaß in das Investmentbanking stecken. Das betrifft Schätzungen zufolge eine Bilanzsumme von ein bis zwei Billionen Pfund. Insgesamt ist das britische Bankensystem sechs Billionen Pfund schwer.

Die Beschränkungen erhöhen ihre Refinanzierungskosten und belastet die Gewinne. Die britische Handelskammer warnte, dass die Regelungen zu einer Kreditklemme im Firmenkundengeschäft führen könnten. "Alle weiteren Reformmaßnahmen (...) müssen sorgfältig analysiert und mit den internationalen Regelungen verglichen werden", forderte der einflussreiche Bankenverband BBA. Andere Bankenvertreter kritisierten, dass die Reform die Strukturschwächen im Massengeschäft nicht angehe. "Wir müssen bedenken, dass die Probleme vor zwei, drei Jahren - Northern Rock, Alliance & Leicester und Bradford and Bingley - nichts mit dem Investmentbanking zu tun hatten, sondern das Ergebnis von Problemen in den Filialbanken selbst waren", sagte Antony Thomson, Chairman der Metro Bank. "Ich bin nicht sicher, dass der Schutzschild die Lösung ist, für die sie jeder hält."

- von Sudip Kar-Gupta

 
<p>Hoch&auml;user von Banken im Londoner Gesch&auml;ftsviertel Canary Wharf am 21. Oktober 2010. REUTERS/Luke MacGregor</p>